47 Mädchen und Jungen kümmern sich um die Bewohner der Residenz Ambiente

Alte und Junge profitieren

Der Rollstuhlführerschein ist Voraussetzung dafür, dass die Jugendlichen mit ihren Senioren Ausflüge in den Kurpark oder in die Stadt unternehmen dürfen. Unser Bild zeigt eine Gruppe vor dem Start an der Residenz Ambiente. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Melina kann gut zuhören. Die zwölf Jahre alte Schülerin der Konrad-Duden-Schule geht regelmäßig in die Residenz Ambiente und kümmert sich dort um die alten Leute. Sie spielt mit ihnen, zum Beispiel „Mensch ärgere dich nicht“ oder unterhält sich. Wobei unterhalten eben oft aus Zuhören besteht. „Die alten Leute erzählen gerne über ihre Jugend“, hat Melina festgestellt. Und sie hört gerne zu und findet es, ebenso wie die 13-jährige Romina, interessant, was ihre Gesprächspartner erzählen.

Spazieren gehen

So ähnlich geht es auch der ebenfalls zwöfjährigen Radina und vielen anderen Jungen und Mädchen. 47 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 16 Jahren kommen seit Anfang Februar mindestens einmal pro Woche in die Residenz Ambiente, um dort die Bewohnerinnen und Bewohner zu besuchen. Sie spielen gemeinsam, gehen im Kurpark spazieren, wagen auch mal einen Ausflug in die Stadt zum Kaffeetrinken oder unterhalten sich.

Sie tun das nicht, weil sie müssen oder davon messbare Vorteile haben, sondern um Erfahrungen zu sammeln oder, wie der 14 Jahre alte Marcel sagt, „weil ich gerne anderen Menschen helfe“. Und es macht ihnen Freude. „Mir gefällt das hier sehr gut“, betont Romina.

An welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit sie kommen, das können die Kinder in Absprache mit der Residenz Ambiente selbst entscheiden. Wer jedoch hinterher eine Bescheinigung über die Teilnahme haben möchte, der sollte mindestens an einem Tag in der Woche für eine Stunde dabei sein, erläutert Arabella Kienel, die Leiterin der Seniorenresidenz. „Das bringt unheimlich Leben ins Haus“, freut sie sich.

Kienel hat ein ähnliches Projekt bereits in einer Senioreneinrichtung in Schlüchtern betreut und miterlebt, dass sich oft persönliche Beziehungen zwischen Jugendlichen und alten Menschen entwickeln, von denen beide profitieren. Viele von den jungen Leuten seien auch in den Ferien und nach dem Ende ihrer Schulzeit gekommen, um ihre Senioren weiter zu besuchen, erzählt Kienel von ihren Erfahrungen in Schlüchtern und sie ist überzeugt davon, dass Ähnliches auch in Bad Hersfeld entstehen könnte. Die große Resonanz bei den Mädchen und Jungen auf ihre Vorstellung des Projekts in der Konrad-Duden-Schule hat sich jedoch selbst überrascht. Einige brächten sogar ihre kleinen Geschwister mit, hat sie festgestellt. Und wer während der Woche keine Zeit hat, kommt gerne auch am Samstag oder Sonntag.

Bevor die Kinder mit den Senioren zusammenkommen, erhalten sie Informationen über das Haus und auch über den Umgang mit demenzkranken Menschen. Und sie haben einen „Rollstuhlführerschein“ gemacht, um unfallfrei spazierengehen zu können. In der Regel kümmern sich zwei oder drei Jugendliche um einen alten Menschen.

Gute Erfahrungen mit Jugendlichen hat man auch im Altenzentrum Hospital gemacht. Dort gibt es schon seit Jahren eine enge Zusammenarbeit mit der Gesamtschule Geistal.

Von Christine Zacharias

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