Wochenendporträt: Künstler Tobias Dostal erhält einjähriges New York-Stipendium

Alte Filme im Big Apple

„The two Sphinx“: Für eine Installation synchronisierte Tobias Dostal die Geschwindigkeit zweier Projektoren durch eine sich drehende Stange. Der Film, der durch beide Projektoren läuft, verschmilzt auf den in der Mitte der Stange befestigten vier Federn. Foto: nh

Bad Hersfeld. So stellt man sich wohl einen Künstler vor: Dunkle Kleidung, Dreitagebart, eine Frisur, die den Betrachter zumindest kurz stutzen lässt, dazu noch ein lässiges Auftreten. Was wäre erst, wenn dieser Künstler auch noch die gängigen Klischees von der „brotlosen Kunst“ Lügen strafen würde? Der gebürtige Bad Hersfelder Tobias Dostal vereint all das in seiner Person. Und vor allem: Er ist erfolgreich. Jetzt hat ihm das Ministerium für Kultur ein einjähriges New York-Stipendium verliehen.

Ungewöhnliches Material

Die Freude darüber merkt man dem in Braunschweig lebenden 30-Jährigen immer noch deutlich an. Ungläubig schüttelt er den Kopf, als er sich an die Zusage erinnert: „In diesem Moment war ich so überwältigt, dass ich den Hörer aufgelegt habe, um gleich darauf noch einmal anzurufen.“ Ein halbes Jahr Vorlauf hatte eine hochkarätige Jury gebraucht, um sich für den Meisterschüler der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste zu entscheiden.

Dass seine Bewerbung kein Selbstläufer war, weiß der Künstler. Denn eigentlich gehören seine Arbeitsmaterialien mehr der Vergangenheit als der Gegenwart an. „Rückbesinnung“ nennt das Tobias Dostal und erklärt: „In meinen Installationen verwende ich die analogen Schmalfilmformate Super 8 und 16 Millimeter. Damit schwimme ich gegen den Strom, aber so ist eben mein Weg.“

Arbeit mit Schlingensief

Den Mut zum Wagnis hat sich Tobias Dostal wohl aus der gemeinsamen Braunschweiger Zeit mit Christoph Schlingensief bewahrt: „In den ersten Semestern habe ich hauptsächlich gezeichnet. Christoph Schlingensief hat mich dann an den Experimentalfilm herangeführt.“

Tobias Dostal

Bei mehreren Projekten assistierte der damalige Student dem Aktionskünstler an der Kamera und erzählte ihm auch von seinem Hobby, der Magie. „Von da an hat er mich bei seinen Inszenierungen oft als Zauberer besetzt“, schmunzelt er. „Generell haben Magie und Kunst für mich viel gemeinsam. Das Publikum wird für einen Moment der Realität entrissen.“ Auch in New York will der Künstler seinen Leidenschaften frönen. „Natürlich möchte ich in einem Varieté auftreten. Und die unerschöpflichen Filmarchive im Big Apple durchstöbern.“

Papierberge produziert

Tobias Dostal tritt die Reise über den großen Teich allein an, und wird seine Familie dementsprechend vermissen. Mutter Silvia Dostal, eine Schenklengsfelder Künstlerin, förderte seine Kreativität von Kindesbeinen an. Regelrechte „Papierberge“ hätten er und seine Brüder früher produziert, erinnert sich der heutige Stipendiat. Sein Erfolg wurzele aber auch in der Bad Hersfelder Schulzeit. „Die Kunstlehrer haben es verstanden, ihre Schüler auch über den Unterricht hinaus von dem Fach zu überzeugen.“

Hat so ein Künstler auch Ängste? „Klar. Ich habe Angst, dass die Zeit in New York zu schnell verfliegt.“

Von Emily Spanel

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