In der Bad Hersfelder Innenstadt werden zwei Fachwerkhäuser von Privatleuten aufwendig saniert

Alte Dächer werden wieder neu

Aufwendige Dachstuhlsanierung: Rund 400 000 Euro investieren Karla und Michael Fraedrich (Bildmitte) in die Restaurierung ihres Fachwerkhauses Klausstraße 4. Links Zimmermeister Thomas Rudolph, rechts Denkmalschützer Johannes van Horrick. Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. Für den Preis, der auf dem Bad Hersfelder Immobilienmarkt auch für ein hübsches Einfamilienhäuschen gut ist, lassen Michael und Karla Fraedrich derzeit einen Dachstuhl restaurieren. Rund 400 000 Euro stecken die Eigentümer des historischen Fachwerkgebäudes Klausstraße 4 in die aufwendige Baumaßnahme.

Einzelne Sparren im Gebälk sind auf das Jahr 1412 zu datieren, den Dachstuhl mit den typischen Andreaskreuzen siedelt der städtische Denkmalschützer Johannes van Horrick „um 1500“ an.

So viel vom alten Holz zu retten wie möglich und wieder zu verwenden – dieser Aufgabe widmet sich Zimmermeister Thomas Rudolph aus Mansbach. In zum Teil filigraner Puzzlearbeit verbinden sich jetzt die dunklen alten Stücke mit dem hellen neuen Holz. Als Architekt betreut das Büro Arnold & Wagner aus Wippershain die Baumaßnahme.

Im Familienbesitz

Dass die Fraedrichs so viel Geld in das alte Bauwerk investieren, hat einen besonderen Grund: Karla, eine geborene Stern, ist hier zur Welt gekommen. Seit 1877 ist das Haus im Besitz der Familie, die zunächst eine Färberei und Wäscherei, später eine chemische Reinigung betrieben hat.

Mit einem fünfstelligen Betrag unterstützt die Stadt aus Sanierungsmitteln dieses Projekt als eines der letzten im Stadtkern, denn dieses Sanierungsgebiet ist abgeschlossen und wird jetzt abgerechnet.

Das gilt genauso für eine zweite Haussanierung ein paar Schritte weiter: Die Klausstraße 36, direkt gegenüber der alten Hersfelder Zeitung, wird von Grund auf erneuert. Dort, wo früher die Gaststätte „Hessischer Hof“ residierte, lässt die Familie Limberger nun eine Geschäftsfläche für den bislang im Hinterhaus ansässigen „Eine-Welt-Laden“ entstehen.

Für Fachleute ist erkennbar, dass es sich hier eigentlich um zwei Häuser handelt: Das Vorderhaus von 1422 wurde 1506 nach hinten erweitert. Entsprechend gibt es auch zwei Dachstühle. Dass das Gebäude von außen einen jüngeren Eindruck macht, liegt an einer Giebelerneuerung aus dem Jahre 1768.

Architekt ist hier Reinhard Heber. Die Firma Nennstiel aus Bad Hersfeld-Petersberg hat den Dachstuhl saniert. Beide Dächer werden von der Firma Begoin eingedeckt.

Und Denkmalschützer van Horrick ist hoch erfreut, dass in beiden Fällen Privatleute viel Geld in die Hand genommen haben, um historische Bausubstanz in Bad Hersfeld zu erhalten.

Von Karl Schönholtz

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