Alles Urlaub oder was?

Kai A. Struthoff

Bettenwechsel heißt es an diesem Wochenende für viele hessische Urlauber. Denn – sorry, liebe Schüler – die Ferien sind schon zur Hälfte vorbei. Auch in unserer Redaktion wechseln jetzt die Teams, und wir freuen uns auf gut ausgeruhte Kollegen. Denn obwohl der Posteingang in diesen Tagen deutlich ruhiger ist und der Kalender große Lücken aufweist – so ein richtiges Sommerloch ist noch nicht in Sicht. Dafür sorgt schon unsere heimische Politik.

In Neuenstein etwa hat mit Dirk Buchenau ein verhältnismäßig junger Mann seinen Hut in den Ring geworfen, um Routinier Walter Glänzer im Kampf um das Rathaus herauszufordern. Der 35-jährige Buchenau ist Landschaftsgärtner, seine Frau hat einen eigenen Gartenbaubetrieb, und das Paar lebt mit seinen drei Kindern in Saasen. Mehr wissen wir noch nicht über den Herausforderer, der kommunalpolitisch bislang wohl ein unbeschriebenes Blatt und noch nicht öffentlich in Erscheinung getreten ist.

Auch bei uns hat sich der Kandidat nicht gemeldet, und er ist derzeit nicht erreichbar – vermutlich auch verreist. Aber wir hoffen sehr, Ihnen bald mehr berichten zu können. Vormerken dürfen sich die Neuensteiner schon mal den 15. September: Dann wollen wir bei einem HZ-Wahlforum den beiden Kandidaten auf den Zahn fühlen. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, und so wird sich wahrscheinlich sogar Walter Glänzer über den Gegenkandidaten freuen – immerhin haben die Wähler so eine echte Wahl. Erspart bleibt uns allen indes die angedrohte Kandidatur des selbsternannten Müll-Gottes. Aber das bedauert vermutlich keiner.

In der Sommerzeit freuen sich alle Medien über Nachrichten. Und so wurde denn auch die Pressemeldung der CDU zu den Festspielen freudig abgedruckt. Auch bei uns. Allerdings haben wir die darin von Fraktionschef Gunter Grimm verbreiteten Auslastungszahlen der Stiftsruine wohlwissend weggelassen. Denn wer jetzt mit prozentualen Angaben über die verkauften Sitzplätze operiert, macht sich angreifbar. Jeder weiß, dass die Ruine in dieser Saison um 400 Plätze verkleinert wurde, dafür wurden die Eintrittspreise erhöht.

Deshalb muss in diesem Jahr mit besonders spitzem Bleistift gerechnet werden, um wirklich belastbare Vergleichswerte zu erhalten. Genau das tut die Festspiel-Verwaltung gerade, wobei es nach Auskunft von Bürgermeister Fehling auch einige „Unebenheiten“ wegen der Einführung der Doppik zu beseitigen gilt. Die Zahlen, mit denen die CDU operiert, sind nach Auskunft aus dem Rathaus nicht autorisiert. Sie sollen aber aus „erster Hand“ stammen“, heißt es von Seiten der CDU.

Offizielle Zahlen soll es vermutlich erst Anfang Oktober geben. „Dieter Wedel hat sensationelle Arbeit geleistet, gebt dem Mann mal ein paar Tage zum Verschnaufen“, bittet der Bürgermeister. Urlaub, wem Urlaub gebührt.

Verschnaufen können zurzeit auch noch die Hirschkäfer, die den Neubau eines Parkhauses am Klinikum ausgebremst haben. Ursprünglich sollte der dringend benötigte Bau mit 224 Stellplätzen in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang bereits Mitte 2015 – also jetzt – fertig sein. Doch aus naturschutzrechtlichen Gründen musste nun eine weitere Vegetationsperiode abgewartet werden, um zu sehen, was am Seilerweg alles kreucht und fleucht.

Doch nun kann es weitergehen. Im nächsten Sitzungszug des Stadtparlaments sollen die notwendigen Entscheidungen getroffen werden. Damit auch alle Parlamentarier umfassend informiert sind, erhalten sie den Umweltbericht auf den Tisch – als Papierausdruck wohlgemerkt. Fast 10 000 Seiten Papier werden deshalb durch den Drucker gejagt.

Manchmal hat Naturschutz skurrile Züge!

Immerhin geht es am Seilerweg dann wohl voran. Bei den Bemühungen, eine dringend benötigte Flüchtlingsunterkunft am Hoechster Kreisel einzurichten, tut sich hingegen nichts. Die Verhandlungen mit Dura Fibers (ehemals Performance Fibers) sind zäh, hören wir aus dem Rathaus.

Na, vermutlich sind auch da alle im Urlaub.

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