Debatte um die Umbenennung der Carl-Peters-Straße: Bock provoziert mit Luther-Vergleich

Alles so schön deutsch

Die beiden nach den Afrika-Kolonialisten Adolf Lüderitz und Carl Peters (kleines Foto) benannten Straßen oberhalb des Bad Hersfelder Kurparks sollen nach dem Willen des Stadtparlaments neue Namen erhalten. Fotos: Schönholtz/Archiv 

Bad Hersfeld. Die Carl-Peters-Straße und die Lüderitzstraße in Bad Hersfeld sollen umbenannt werden. Das hat die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag mit Mehrheit beschlossen. Vorausgegangen war eine Debatte, die sich am Rande des Skandals bewegte. Denn nicht etwa das zweifelhafte Wirken der beiden Namensgeber in den ehemaligen deutschen Afrika-Kolonien stand im Mittelpunkt der Diskussion, sondern die Umstände der von der Fraktion UBH/Die Linke beantragten Umbenennung.

So hielt der Fraktionsvorsitzende der Neuen Bürgerliste NBL, Michael Bock, den Parlamentariern vor, es gebe wichtigere Probleme, um die man sich zu kümmern habe. Bock provozierte im Weiteren mit der Feststellung, mit Lüderitz habe es in Namibia „gut funktioniert. Da fahren viele gern in Urlaub hin, weil’s so schön deutsch ist.“ Als Bock anschließend noch die Straßen-Tauglichkeit Martin Luthers bezweifelte, weil der auch antisemitische Schriften verfasst habe und selbst der Hersfelder Stadtgründer Lullus wegen der brutalen Bekehrungsmethoden der Missionare vor Bock keine Gnade fand, war die Empörung im Saal mit Händen zu greifen.

„Das ist eine Schande“, rief Hans-Jürgen Schülbe (UBH), und warf Bock Rassismus vor. Für den Luther-Vergleich könne man sich nur schämen, sagte Schülbe, während mehrere Mitglieder der Mehrheitsfraktion von SPD, Grünen und FWG aus Protest nach draußen eilten.

Monika Schmidt (Grüne) entgegnete Bock, es sei eben keine Nebensache, wenn Straßen nach Verbrechern benamt seien. Auch Antje Fey-Spengler (Grüne) verurteilte den Luther-Vergleich.

CDU-Fraktionschef Gunter Grimm hatte zuvor mit den Zahlen einer Anwohner-Befragung von 1984 (!) argumentiert und gefordert, das Mehrheits-Votum gegen eine Umbenennung zu respektieren. Diese wurde jedoch in namentlicher Abstimmung bei fünfmal Nein und elf Enthaltungen beschlossen. Eine Mehrheit gab es auch für die von der NBH beantragte Kostenerstattung für die Anwohner bei der Neu-Ausstellung ihrer Ausweispapiere.

Wie die beiden Straßen künftig heißen sollen, steht noch nicht fest. Eine Vorschlagsliste von Frauenpersönlichkeiten liegt dem Magistrat vor. Hintergrund, Kommentar

Von Karl Schönholtz

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