Wochenendporträt: Harald Koblenz, Bühnenmeister der Bad Hersfelder Festspiele

Alles rein und alles raus

Harald Koblenz, 1. Bühnenmeister der Bad Hersfelder Festspiele, baut seit Montag mit seinen 13 Helfern die Bühne und Tribüne in der Stiftsruine ab. Die Arbeiten dauern bis Ende September. Foto: Schiller

Bad Hersfeld. Die 62. Bad Hersfelder Festspiele sind vorbei. Doch für Harald Koblenz, den ersten Bühnenmeister, geht die Arbeit weiter. Denn kaum war das Abschlusskonzert der Ulli Meiß-Chöre am Sonntag beendet, begannen die Abbauarbeiten der Bühne und Tribüne in der Stiftsruine.

Das historische Gemäuer muss jedes Jahr nach der Festspiel-Saison komplett ausgeräumt werden, damit es als Denkmal und für Besichtigungen wieder zur Verfügung steht. Bis schließlich das Zeltdach über der Ruine abgebaut ist, wird es Ende September. Für diesen Schlussakt müssen Koblenz und sein Team in schwindelerregenden Regionen arbeiten. Höhenangst ist dabei fehl am Platz.

Nach der Saison

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, denn nach der Saison wird schon wieder die nächste geplant“, erklärt der Bühnenmeister. Zum Beispiel werden in der Zeit von Oktober bis März die Motoren der Regensicherung gewartet und kontrolliert, die Betriebsmittel überholt und geprüft.

Als Bühnenmeister ist Harry, wie er von allen liebevoll genannt wird, auch für die Theateraufführungen in der Stadthalle und die Werbe-Tafeln zuständig. „Zeit für Urlaub nehme ich mir natürlich auch“, erzählt er lachend. Den hat er sich dann redlich verdient, denn während der Zeit vor den Premieren gibt es fast keine freie Minute. Zur Not wird dann auch die Nacht durchgearbeitet, um den engen Zeitplan für die Proben einzuhalten.

Keine Monotonie

Nach der Fachhochschulreife hat Harald Koblenz zunächst eine Ausbildung als Betriebsschlosser gemacht. Danach sammelte er auf Montage in Frankreich, Finnland und England Erfahrungen. Schließlich half der gebürtige Hersfelder dann beim Auf- und Abbau des Daches bei den Festspielen. Die Arbeit gefiel im, und er blieb. Hinter den Kulissen durchlief er alle Abteilungen des Festivals und machte schließlich eine Schulung zum Bühnenmeister in Darmstadt. Seit April 1996 ist Koblenz in dieser Funktion bei der Stadt angestellt.

Nach wie vor hat er Spaß an seinem Beruf, vor allem wegen der Ruine selbst. „Der Arbeitsplatz ist einzigartig. Das ist ein faszinierendes Bauwerk“ schwärmt Koblenz. Vor allem beeindruckt ihn die Ruine zu den verschiedenen Tages- und Nachtzeiten, wenn das Licht das Gemäuer rot leuchten lässt. Auch die Tiere, wie zum Beispiel Nilgänse, die sich rund um die Theaterbühne einnisten und dann lautstark die Proben stören, machen für Harald Koblenz die besondere Atmosphäre aus.

Zudem bringt sein Beruf ständige Abwechslung mit sich. Immer wieder gibt es neue technische Herausforderungen durch die Ideen der Bühnenbildner, wie etwa Versenkungen in der Bühne. Auch die Zusammenarbeit mit den vielen Menschen macht für ihn die Arbeit zu einem Erlebnis. „Theater funktioniert nur mit Absprachen. Wir arbeiten eng mit allen Abteilungen zusammen“, erklärt der 54-jährige.

Am 16. September feiert er sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Und dann wird es nicht lange dauern, bis der Intendant den Spielplan 2013 vorstellt. Dann beginnt für Harald Koblenz alles wieder von vorne. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Von Jana Schiller

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