Marionettentheater Schartenhof gastierte mit drei Opern im J.S. Bach-Haus

Alles an einem Strang

Entführung aus dem Serail: An 14 Fäden wurde jede Marionette durch die Kulisse des Palastes von Bassa Selim geführt. Das Marionettentheater Schartenhof gastierte mit einer Kinderfassung der Mozart-Oper im Johann Sebastian Bach-Haus. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Das Marionettentheater aus dem Kulturzentrum Schartenhof in Biedenkopf-Eckelshausen hat mit zwei Mozart-Opern im J.S. Bach-Haus gastiert.

Für Kinder führte das Ensemble zweimal „Die Entführung aus dem Serail“ auf, für Erwachsene einmal „Cosi fan tutte“. Traumhafte Bühnenkulissen und die perfekte Imagination der Marionetten begeisterten Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

„Ich bin auf die Puppen gespannt“, tuschelten die Kinder im Bach-Haus. Sie drängten sich neugierig vor der Bühne und machten es sich dann auf großen Kissen gemütlich. Als sich der blaue Vorhang hob, wurde der Blick auf eine riesige, bezaubernde Puppenbühne frei, die die bunte Welt des Orients zeigte.

Der Palast Bassa Selims

Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ spielt in der Türkei im Palast des reichen Bassa Selim. Die Spanierin Konstanze lebt dort nach ihrer Entführung mit ihrer Zofe Blonde und dem Diener Pedrillo. Als ihr Geliebter Belmonte sie befreien will, wird es richtig spannend: Selims Diener Osmin vereitelt die Fluchtpläne. Am Ende jedoch siegt die Vernunft über den Wunsch nach Rache, und Selim lässt alle frei.

Die Kinder konnten der Geschichte dank der Moderation mühelos folgen. Als sich die erste, fast ein Meter große Puppe über die Bühne bewegte, waren die Zuschauer vollends in den Bann gezogen. „Um den Figuren ihren Charakter zu geben, habe ich immer wieder Mozarts Musik gehört“, verrät Marionettenbauerin Annemarie Gottfried.

Ausdrucksstarke Gesichter

Obwohl die Gesichter starr sind, verfügen die Puppen über einen passenden Gesichtsausdruck, der durch Gesten noch unterstützt wird. Konstanze schaut sehr unglücklich drein, und der tollpatschige Wächter Osmin hat einen schurkischen, aber auch drolligen Blick.

Die Grazilität der Puppen lenkte davon ab, dass ihnen 14 Fäden das Leben einhauchen. Eine hohe Kunstfertigkeit ist nötig, damit sich das Verwirrspiel nur im Geschehen und nicht in den Seilen abspielt.

Am Ende hatten alle Marionetten das Stück unverknotet überstanden.

Die Kinder freuten sich überschwänglich und verlangten eine Zugabe. Darauf öffnete sich der bisher verschlossene obere Teil des Vorhangs und gab fast alle Geheimnisse der Bühnentechnik preis. Als dann auch noch Osmin über den Köpfen der Kinder schwebte, tobten sie vor Begeisterung.

So macht Oper auch den Kindern Spaß. Die Musik der Kinderaufführungen stammte von den Wiener Philharmonikern und dem Chor der Wiener Staatsoper, die Erwachsenen hörten Cosi fan tutte in einer Fassung des NDR-Sinfonieorchesters.

So bescherte das Marionettentheater den Zuschauern auch einen hochkarätigen Hörgenuss. Die Regie führte Max Wichtl, die Bühnenbilder stammten von Heinz Zürcher.

Von Vera Hettenhausen

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