Alles Charlie, oder was?

Kai A. Struthoff

In diesen Tagen sind plötzlich alle Charlie. Die Empörung über die feigen Anschläge in Paris und die Solidarität mit unseren französischen Freunden ist groß – das ist gut, richtig und wichtig.

Trotzdem muss ich zuweilen ein wenig schmunzeln, wer sich jetzt alles zum Gralshüter der Pressefreiheit aufschwingt, sich zu Charlie bekennt und mit dem erhobenen Bleistift wedelt. Denn die Presse- und Meinungsfreiheit beginnt nicht erst dort, wo unbequeme Journalisten im Kugelhagel von Terroristen sterben.

Nein, sie muss tagtäglich selbst bei einer kleinen Lokalzeitung wie der HZ verteidigt werden – glücklicherweise natürlich nicht mit Leib und Leben. Aber Pressefreiheit beginnt schon im Kleinen: Immer wieder rufen uns aufgebrachte Leser an und drohen mit „Massenabbestellungen“, nur weil wir nicht oder angeblich nicht ausreichend über irgendwelche Themen berichten. Gelegentlich drohen auch mal Geschäftsleute mehr oder weniger direkt damit, ihre Anzeigen zu stornieren, nur weil ihnen unsere Beiträge nicht passen. Und ab und an versuchen auch Politiker oder Interessenvertreter Druck auf die Redaktion auszuüben, um ihre Sicht der Dinge ins Blatt zu bringen.

Ich würde mir wünschen, dass wir – nicht nur im Umgang mit den Medien, sondern generell mit anderen Meinungen – aus den schrecklichen Anschlägen in Paris eine Lehre ziehen und künftig alle wirklich ein wenig mehr „Charlie“ wären.

Das neue Jahr ist inzwischen schon fast drei Wochen alt, und ich frage mich immer wieder, ob man jetzt überhaupt noch Glückwünsche für 2015 aussprechen kann. Doch noch ist die heiße Phase der Neujahrsempfänge, und für die fünf Landratskandidaten beginnt das große Schaulaufen vor der Wahl.

Fleißig absolvieren sie einen Termin nach dem anderen, wobei aufmerksam registriert wird, wer wo ist und was sagt. Es beginnt noch eher leise der Wahlkampf. Doch in den kommenden Wochen werden wir sicher auch lautere Töne zu hören bekommen.

Für die Firma Bickhardt Bau beginnt das neue Jahr leider mit Problemen. Die Hessenschau berichtete jetzt über Betonfehler, die beim Bau einer elf Millionen Euro teuren Autobahnbrücke an der A 671 bei Wiesbaden aufgetreten sein sollen. Offenbar sind dort feine Haarrisse entstanden, schlimmstenfalls könnte sogar der Abriss drohen. Bickhardt Bau bestätigt auf Nachfrage grundsätzlich die Darstellung des HR. Derzeit werde in enger Zusammenarbeit mit Hessen mobil die Brücke überprüft, wie lange das dauert, konnte Sprecher Thorsten Sindel noch nicht sagen. Alle hoffen jetzt natürlich auf einen möglichst glimpflichen Ausgang der Überprüfung.

Wir drücken die Daumen, denn ernsthafte Probleme wünscht der Traditionsfirma, die zum wirtschaftlichen Rückgrat der Region gehört, natürlich niemand

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