Das Burg-Herzberg-Festival begeistert Besucher und Künstler

Ganz großes Kino war die Show von Ex-Genesis-Gitarrist Steve Hackett.

Breitenbach/H. Wenn es so etwas wie „das perfekte Festival“ gibt, dann ist die 2013er Auflage des Hippie-Festival vor der Kulisse der Burg Herzberg sehr nahe dran.

„Schuld daran“ ist eine Künstlerauswahl, die nach Meinung vieler Fans zum Besten zählt, was je in der Geschichte des Festivals geboten wurde und der Sonnenschein, den, so sagen es die Stammgäste „wir endlich auch mal verdient haben“. Im vergangenen Jahr war das Festival bekanntlich im Dauerregen und Schlamm erstickt und ein, zwei Regentage gehörten auch in den Vorjahren immer dazu.

Diese Stimmung fasste auch Ex-Genesis Gitarrist Steve Hackett, Besuchermagnet des zweiten Festivaltages gleich zu Beginn seines Auftritts in Worte: „Alles, was Ihr braucht, ist Sonnenschein“, sagte er.

Zwischen Techno und Rock

Zum Festivalauftakt spielte ein Eigenwächs: „Brennente“, die Band von Festival-Organisator Gunther Lorz brachte die ersten Festivalgäste mit einer Mischung aus Rock und Chanson plus erotisch leicht anstößigen Texten in eine lockere Stimmung, die Bluesgitarrist Hendrik Freischlader im Anschluss nur aufgreifen musste. Etwas schwieriger hatten es die 17 Musiker der ansonsten weltweit gefeierten Les Tambours de Bronx aus Frankreich. Die Musik- und Performance-Truppe, deren Musiker mit Axtstielen auf 225-Liter-Ölfessern trommeln war den HipHop- und House-Fans unter den Besuchern zu rocklastig, den Rockfans wiederum „zu Techno“.

Doch die meisten Rockfans warteten zu dieser Stunde ohnehin nur auf den einzigen Europa-Auftritt der US-Jam-Band „moe“. Sie wurden mit einem zweieinhalbstündigen Konzert belohnt, das erst gegen 2.30 Uhr am Freitagmorgen endete.

Der Freitagnachmittag begann funky. Deutschlands Bass-Legende Hellmut Hattler (Krann, Tab Two) brachte die Musikfans mit einer energiegeladenen Gospel-Dancefloor-Mixtur schnell in Partylaune.

„Wo ist der Bassgitarrist?“ rief derweil Bassekou Kouyate, der Grammy-nominierte, 2008 mit dem Weltmusik-Preis der BBC ausgezeichnete und in der ganzen Welt gefeierte N’goni-Virtuose, hinter der Bühne. Der Kulturbotschafter Malis war mit seiner Band Ngoniba als nächster dran, doch zuvor wollte er unbedingt Hellmut Hattler kennen lernen, „weil ich so ein Bassspiel noch nie gehört habe.“

Was Kouyate und drei seiner Musiker auf ihren N’gonis (dem Banjo verwandte archaisch anmutende Zupfinstrumente) boten, das war nicht Weltmusik vom Feinsten, sondern hob das musikalische Erleben in eine neue Dimension. Tausende tanzten in der Spätnachmittagsonne mit geschlossenen Augen auf der Festivalwiese wie in Trance.

Großes Kino

Doch auf die Herzberg-Besucher wartete am Abend noch ein weiteres Großereignis, das hinter der Bühne bereits den ganzen Tag vorbereitet wurde. Bereits nachts um 3 Uhr wurde mit der Hängung der Light-Show für Steve Hackett begonnen, den ganzen Tag über wurden Gitarren neu bespannt, gestimmt und gewienert, Schlagzeug und Tasteninstrumente auf bewegliche Podeste gehievt.

Fotos vom Freitag

Burg Herzberg-Festival 2013 (Freitag)

Das Ergebnis war ganz großes Kino und wie in den alten Tage, als Peter Gabriel noch sang und Phil Collins hinterm Schlagzeug saß, eine perfekte Show, die mit „Watcher of skies“ und „Dancing with the moonlit knight“ begann. Das Verhältnis von Steve Hackett zur Genesis-Musik gleicht dem einer langjährigen Beziehung/Ehe, in der man sich mal mehr, mal weniger, liebt. Am Freitagabend auf dem Herzberg-Festival muss die Liebe groß gewesen sein. Hackett spielte sich völlig entspannt und altersweise durch das Programm, das auch diejenigen begeistere, die nicht mit Genesis vertraut sind.

Fotos vom Samstag

Burg Herzberg Festival 2013 (Samstag)

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