„Lädchen für alles“ in der Eichhofsiedlung braucht dringend Förderer

Die allerletzte Chance

Sie glauben an das „Lädchen für alles“ und seine soziale Funktion für die Eichhofsiedlung: Knut John (Tegut), Gabi Jordan (Siedlungsgenossenschaft), Sigrid Wetterau (Regionalforum), Christa Bittner (SPD-Ortsverein), Bruno Willhardt (Siedlungsgenossenschaft), Erwin Binkofski (Die Brücke) und Ortsvorsteherin Gisela Groß (von links). Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Wenn das „Lädchen für alles“ in der Eichhofsiedlung erst einmal geschlossen hat, dann wird es dort keinen Laden mehr geben. Das ist Ortsvorsteherin Gisela Groß und Bruno Willhardt von der Siedlungsgenossenschaft sehr bewusst. Klar ist auch: Die Brücke, die das Lädchen bisher betrieben hat, kann die Verluste von mehreren zehntausend Euro, die sich im ersten Jahr ergeben haben, nicht weiter tragen und beendet ihr Engagement mit Ablauf des Monats März, kündigt Erwin Binkofski vom Vorstand des Vereins an.

„Machen richtig Miese“

Dennoch wollen die Menschen in der Eichhof-Siedlung, die das Lädchen als Nahversorgungsmöglichkeit und Treffpunkt schätzen und brauchen, noch nicht aufgeben. Noch gibt es, davon sind sie überzeugt, Möglichkeiten, den Laden zu retten. Auch die Firma Tegut, die das Konzept für die kleinen Läden auf dem Dorf entwickelt hat, wäre weiter mit im Boot, obwohl deren Minus mit 50 000 Euro im vergangenen Jahr noch höher ist, als das der Brücke. „Tegut will an dem Lädchen festhalten, obwohl wir hier richtig Miese machen“, sagt Knut John, „ein Jahr sollten wir uns noch geben.“

Um das zu ermöglichen müssten zum einen Kosten gesenkt, zum anderen die Einnahmen erhöht werden. Zur Kostensenkung hat die Siedlungsgenossenschaft, der das Gebäude gehört, bereits erfolgreich mit den Stadtwerken verhandelt und einen günstigeren Stromtarif bekommen, erzählt Gabi Jordan. Auch eine Spende haben die Stadtwerke zugesagt.

Nun soll nach einem lokalen Bäcker gesucht werden, der das Lädchen beliefert. Nicht zuletzt ist die Gründung eines Fördervereins geplant, in der Hoffnung, dass viele Eichhöfer dort Mitglied werden und so einen Teil der fehlenden Einnahmen mit ihren Förderbeiträgen ersetzen. Auch um Spenden soll noch einmal geworben werden. Denn wenn der finanzielle Verlust weitgehend ausgeglichen werden kann, würde auch die Brücke als Betreiber erst einmal weitermachen, versichert Binkofski.

Suche nach Betreiber

Eine andere Möglichkeit, das Lädchen zu retten, wäre ein neuer Betreiber – ein Bäcker oder Metzger aus der Region, zum Beispiel. Auch danach wollen die Eichhöfer mit Unterstützung von Sigrid Wetterau vom Regionalforum suchen. Unterstützung durch die Menschen aus der Werkstatt für Behinderte, die dort mit großer Freude arbeiten, wäre einem neuen Betreiber sicher, betont Binkofski.

Denn unter sozialen Gesichtspunkten ist das „Lädchen für alles“ ein Erfolgsmodell, da sind sich alle Beteiligten einig. Es bietet den seelisch behinderten Menschen gute Arbeitsplätze, ermöglicht Senioren und wenig mobilen Eichhöfern die Versorgung vor Ort und ist ein beliebter Treffpunkt. Donnerstagmittags, zum Beispiel, ist besonders viel los, denn da gibt es alle zwei Wochen leckere Suppe. Der kleine Nebenraum wird praktisch täglich zum Kaffeeklatsch und für Stammtischrunden genutzt.

Die beste Möglichkeit, das Lädchen zu retten, wäre natürlich, wenn möglichst viele Eichhöfer dort regelmäßig einkaufen. 20 bis 30 Kunden mehr pro Woche, die für jeweils 20 Euro einkaufen, würden den nötigen Umsatz bringen, damit das Lädchen ohne Zuschüsse überleben kann, hat Binkofski ausgerechnet.

Von Christine Zacharias

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