Die alleinerziehende Bianca Leimbach macht bei K+S eine Ausbildung in Teilzeit

Allen Klischees zum Trotz

Die angehende Chemikantin Bianca Leimbach und Fachbereichsleiter Tino Kister an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Hanisch

Heringen. In blauer Montur gekleidet, mit festem Schuhwerk an den Füßen und dem obligatorischen Sicherheitshelm auf dem Kopf, strotzt die zierliche Bianca Leimbach aus Bermbach vor Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit.

Die angehende Chemikantin ist gerade im zweiten Ausbildungsjahr bei K+S und widerlegt so ziemlich jedes Klischee, was Frauen- und Männerberufe betrifft. „Wir sind stolz darauf, dass wir sie hier haben. Sie kann wahrscheinlich eher einen 17er-Schraubenschlüssel handhaben, als mancher Mann“, meint der Leiter des Fachbereichs Chemie Tino Kister grinsend.

Nur 30 Wochenstunden

Und das kommt nicht von ungefähr, denn die 27-jährige Bianca Leimbach, die bereits eine Ausbildung zu Therapeutin absolviert hat, glänzt mit hervorragenden Noten und wird ihre Ausbildung daher auch um ein halbes Jahr verkürzen – und all das, obwohl sie seit neuestem statt 40 Stunden nur noch 30 Stunden die Woche arbeitet. Warum sie die Arbeitszeit verkürzt hat? Die Antwort darauf ist einfach: Aaliyah, ihre vierjährige Tochter.

„Als meine Tochter am Wochenende weinte, als ich sie weckte und nach ihrer Oma rief, wusste ich, dass ich was ändern muss“, erklärt Bianca Leimbach den entscheidenden Wendepunkt. Wegen der frühen Arbeitszeiten war sie stets auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen, die Aaliyah morgens weckte, betreute und in den Kindergarten brachte.

Als die junge Mutter jedoch merkte, dass sich ihre Tochter zunehmend von ihr entfernt und die Oma zur „Ersatzmama“ wurde, kamen die ersten Selbstzweifel und das schlechte Gewissen regte sich: Habe ich alles richtig gemacht? Sollte ich besser daheim bleiben? Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, ging sie zu Kister, schilderte ihre Situation und schließlich fanden sie gemeinsam eine Lösung: die Ausbildung in Teilzeit.

„Es wäre schade, wenn wir so gute Leute verlieren würden und wir brauchen junge Frauen im Unternehmen“, erläutert Kister, der voll und ganz hinter seiner Auszubildenden steht.

K+S sei Dank

Statt um 5 Uhr fängt die angehende Chemikantin nun erst um 8.30 Uhr an, hat damit genügend Zeit ihre kleine Tochter in den Kindergarten zu bringen und ist nachmittags auch wieder rechtzeitig zum Abholen zur Stelle. Natürlich erfordert das seitens des Arbeitgebers eine gewisse Flexibilität, aber K+S ist dazu bereit. „Momentan würde es sich noch nicht lohnen, aber auf lange Sicht ist eine betriebseigene Kindertagesstätte auch nicht unmöglich“, erklärt Kerstin Staudtmeister von der K+S-Personalabteilung.

Bianca Leimbach ist jedenfalls froh über das Entgegenkommen ihrer Firma: „Ich arbeite sehr gerne hier, aber Familie geht nun mal vor. Dank der Ausbildung in Teilzeit ist ihr diese Entscheidung abgenommen worden und „die Oma ist jetzt auch wieder (nur) Oma“, schmunzelt sie.

Von Christin Hanisch

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