Christ sein ohne Kirche?

Herbstsynode des Kirchenkreises Hersfeld diskutierte über Umgang mit ausgetretenen Mitgliedern

Im Gespräch: (von links) Heinrich Bettenhausen, Tobias Jäger, Pfarrer Michael Zehender, Bundesfreiwilligendienstleistender Johannes Becker als Gast, Werner Berg, Paul Kimpel und Pfarrer Thomas Funk diskutierten bei der Herbstsynode des Kirchenkreises Hersfeld darüber, ob Christsein nur dann richtig gelebt werden kann, wenn man einer Kirche angehört, und wie mit ausgetretenen Mitgliedern umgegangen werden soll. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Wie sollte man als Kirchengemeinde mit ausgetretenen „Schäfchen“ umgehen? Können sie ein Patenamt übernehmen? Dürfen sie am Abendmahl teilnehmen? Muss man, wenn man Christ sein und Christentum leben will, nicht auch einer christlichen Kirche angehören?

Mit diesen und weiteren, sich aus dem Tagesordnungspunkt „Dem Glauben Raum geben. Christsein und Kirchenmitgliedschaft“ ergebenden Fragen beschäftigten sich die Delegierten der Kirchengemeinden des Kirchenkreises Hersfeld bei ihrer Herbstzusammenkunft im Bad Hersfelder Martin-Luther-Haus. Theologisch fundiert „eingestimmt“ wurden sie von Pfarrerin Dr. Insa Rohrschneider, die eben dieses Thema als Vorsitzende der Theologischen Kammer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) mit den Mitgliedern des Gremiums bedacht und in einem Papier zusammengefasst hat. Ihr Fazit: Die Krise der Kirche ist vor allem eine Krise des Glaubens. Ohne Kirche geht es nicht, denn Kirche ist kein Selbstzweck, sondern dazu da, dem Glauben Raum zu geben. Christsein außerhalb der Kirche sei ein Widerspruch in sich.

Aufgabe der Synodalen war es, vor Ort gemachte Erfahrungen zu bedenken und in Aufträge für die Kirchengemeinden umzusetzen. Wiederholt sprachen sie an, dass Ausgetretene sich oft weiter als Christenmenschen empfinden, und dass „Christsein nicht ohne Kirche“ für viele keine Option sei. Für Pfarrer Winfried Marnach und Pfarrer Thomas Funk war das Anlass, klare Positionen anzumahnen, was Dekan Dr. Frank Hofmann schon allein für den Kirchenkreis als „relativ illusorisch“ ansah. Tobias Jäger und Pfarrer Michael Zehender forderten eine Verbesserung der Kommunikation: „Wir müssen uns positiv aus den Kirchenvorständen heraus äußern, nicht in Verteidigungshaltung!“

Auch über die Erstellung eines Leistungs- und Gebührenkataloges wurde nachgedacht, was Pfarrerin Andrea Koch jedoch ablehnte: „Ich lasse mich nicht als Dienstleisterin abqualifizieren. Wer austritt, gibt nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte auf!“ Die Wölfershäuser Seelsorgerin riet dazu, die innerkirchliche Gemeinschaft zu stärken und dies auch nach außen deutlich zu machen. Ähnlich äußerte sich Pfarrerin Rita Stückrad-Frisch, die Glaubensvermittlung „nicht nur von der Kanzel herab, sondern über alle öffentlichen Medien“ forderte. Pfarrer Dr. Thorsten Waap meinte: „In einer immer weltlicher werdenden Welt müssen wir uns neu aufstellen und die Beteiligungsmöglichkeiten der Menschen stärken, damit sie sich als Christen einbringen können!“

Damit sprach er der Referentin in gewisser Weise aus dem Herzen, die abschließend feststellte, dass mehr Flexibilisierung gefragt sei und dass alle Strukturen der Verkündigung des Evangeliums dienen müssten: „Gute Ideen sind weiter gefragt und ganz besonders auch Unterstützung der Gemeinden bei der Arbeit mit Familien und Eltern, die nicht mit Religion groß geworden sind!“

Von Wilfried Apel

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