Alle gegen Amazon: Willkommen im Sklavenland

In der vergangenen Woche gab es offenbar nur ein Thema: Amazon! Die Aufregung nach dem HR-Fernsehbeitrag war groß. Politiker jedweder Couleur meldeten sich zu Wort, Medien in aller Welt berichteten. Auch bei uns in der Redaktion riefen dauern Kollegen an, und wollten Hintergrundinformationen. Auch wenn die HR-Reportage arg tendenziös war, so ist es doch erstaunlich, welche Resonanz ein Fernsehbeitrag zu nachtschlafender Zeit haben kann, der zugespitzt Dinge beschreibt, die hier hinlänglich bekannt sind.

Es ist sicher nicht verkehrt, dass nun über manche Auswüchse auf dem Arbeitsmarkt diskutiert wird. Ich frage mich allerdings schon, wo alle, die jetzt entsetzt tun, in der Vergangenheit selig gepennt haben?

Amazon ist freilich selbst Schuld an dieser schlechten Presse, denn die Öffentlichkeitsarbeit ist unter aller Kanone. Dabei muss sich das – natürlich knallhart kalkulierende – Unternehmen eigentlich nicht verstecken: Die Gehälter sind besser als in vielen anderen, höher qualifizierteren Berufen, es gibt viele noch anstrengendere, schmutzigere oder gefährlichere Jobs. Und Amazon hat durchaus auch viele zufriedene Mitarbeiter. All das kommt in dem Fernsehbeitrag aber nicht raus. Stattdessen wird unsere Region als eine Art Sklavenland mit heruntergekommenen Ferienparks am Arsch der Welt beschrieben. Na klasse, positive Standort-Werbung sieht anders aus.

In Hohenroda stehen in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen an. Amtsinhaber Jörg Schäfer hat rund 18 Jahre lang eher unauffällig, aber durchaus erfolgreich die Geschicke der Gemeinde im ehemaligen Zonengrenzgebiet gelenkt. Keine leichte Aufgabe, nachdem die üppigen Fördertöpfe nach der Wende ein paar Kilometer weiter östlich ausgeleert wurden.

Noch rätseln alle, wer ins Rennen um die Nachfolge in dem hochherrschaftlichen Rathaus gehen will. Am 7. März endet die Bewerbungsfrist – doch noch hat kein Bewerber offiziell den Hut in der Ring geworfen. Dennoch erwarten wir mindestens zwei Kandidaten.

Deshalb habe ich schon mal im Hotelpark in Hohenroda nach Räumlichkeiten für eine Podiumsdiskussion nachgefragt. Ohne Erfolg.

Das große Tagungszentrum ist bis Ende des Jahres ausgebucht. Wohlgemerkt: Nicht von Amazon! Ganz so schlecht, wie im Fernsehen dargestellt, läuft es bei uns dann wohl doch nicht!

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