Alle blau, außer der Frau

Eine Analyse der Wahlplakate, die derzeit die Straßen das Kreisgebiet zieren

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Hersfeld-Rotenburg: Eine Analyse der Wahlplakate, die derzeit die Straßen das Kreisgebiet zieren

Jörg Brand

Das Design: Dazu gibt’s kaum was zu sagen. Ein Wahlplakat eben. Oben zwei Blöcke, unten eine fesche Welle; oben das optimistische „Unser Landrat“, unten das unverfängliche „Jörg Brand“. Der tritt unabhängig an, greift aber mit der Farbwahl seine politische Heimat, die Freien Wähler, ausdrücklich auf.

Das Foto: Ein herzliches Lächeln, die Schläfen ergraut, die Haare etwas zu stark gegelt, so strahlt Brand die Wähler an.

Der Slogan: „Unabhängig – sozial – bürgerlich“ klingt erstmal gut, ist aber nicht wirklich aussagekräftig. Wer würde schon für sich als parteihörig, asozial und, äh, unbürgerlich werben?

Was gibt’s sonst noch: Viele bekommen Jörg Brand nicht zu sehen. Seine Plakate sind im Straßenbild nur selten anzutreffen.

Werner David

Das Design: Blauer Grund, gelbe Schrift – hätte die FDP nicht kürzlich ihre Parteifarben gewechselt, wäre die Gestaltung von Werner Davids Plakat geradezu vorbildlich liberal. Ist auch nötig, denn seine Partei nennt der FDP-Kreisvorsitzende nicht.

Das Foto: David ist als einziger Kandidat nicht allein auf dem Plakat. Im Hintergrund strahlt eine Familie mit der Aura um die Wette, die David umgibt. Will er damit ausgleichen, dass er der Älteste im Feld ist?

Der Slogan: Gleich zwei Floskeln aus dem Handbuch für Wahlkampfsprüche stehen da: „Gestalten statt verwalten!“ oben, „Aus der Region – für die Region!“ unten. Wer wollte da widersprechen?

Was gibt’s sonst noch: Wo ist eigentlich der schwarze Schal, der seit Wochen mit Davids Kragen verwachsen ist?

Dr. Michael Koch

Das Design: Die Plakate des CDU-Kandidaten erinnern noch am meisten an die Werbung von Landtags- und Bundestagswahlen. Die Gestaltung orientiert sich an der Parteilinie mit dem Hintergrund in Angela-Merkel-Orange.

Das Foto: Ein bisschen angestrengt guckt er, der Dr. Koch. Die Haare platt, der Mund schmallippig – er hat schon sympathischer ausgesehen.

Der Slogan: „Gemeinsam. Weiter. Erfolgreich.“ Das muss man natürlich erklären, und Koch wird auch nicht müde, genau das zu tun. Das „Weiter“ ist übrigens eine „Verbeugung“ vor Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, den Koch beerben will. Aber erfolgreich muss es schon sein. Punkt.

Was gibt’s sonst noch: Die Plakate hat der CDU-Kandidat offenbar im Dutzend billiger gekriegt. Manche Straßenzüge sind mit Kochs Konterfei geradezu tapeziert. Ob das beim Wähler gut ankommt?

Elke Künholz

Das Design: War nur eine Farbe im Preis enthalten?, möchte man die SPD-Kandidatin fragen. Ihr Bild ist von einem breiten Rand in strammem Sozialdemokratenrot eingerahmt. Das Parteilogo würde man beinahe übersehen, fiele es nicht buchstäblich aus dem Rahmen.

Das Foto: Elke Künholz war vor dem Fotoshooting wohl extra beim Frisör. So viel Volumen hat ihr Haar sonst nicht. Dass sie vor dem weißen Hintergrund blässlich wirkt, kaschiert sie mit einem Blendax-Lächeln.

Der Slogan: Wie soll man ihren Wahlkampfspruch wiedergeben, wenn zwischen „kompetent“ und „anders“ auf dem Plakat nichts steht? Künholz meint zweifellos „kompetent und anders“. Aber weniger wohlmeinende Schmierfinken könnten zum Beispiel auch „kompetent geht anders“ hineininterpretieren.

Was gibt’s sonst noch: Auf diesem Plakat nichts. Für alles Weitere hat Künholz an mehreren Stellen große Plakatwände aufgestellt – genauso rot, aber mit mehr Inhalt.

Alexander Sauer

Das Design: Schrift, Hintergrund, Krawatte – sehr blau ist das Plakat des unabhängigen Kandidaten. Die Farbwahl weist zumindest ein wenig darauf hin, dass Alexander Sauer nebenbei auch Kreissprecher der Alternative für Deutschland ist. Deren Logo ist ähnlich blau, was seriös und vertrauensvoll wirken soll.

Das Foto: Er spielt ein bisschen Versteck, schaut spitzbübisch vom Plakatrand zum Betrachter. Ansonsten ist alles an ihm adrett, wie man es von einem Bundeswehroffizier erwarten darf.

Der Slogan: Mit „wertebezogen und zukunftsorientiert“ stellt Sauer seine Kandidatur in ein klassisches konservatives Spannungsfeld: Bei aller Bodenständigkeit will man nicht rückwärtsgewandt sein.

Was gibt’s sonst noch: Telefonnummer, Mailadresse, Internetseite – wer Sauer kontaktieren will, muss nur genau hingucken. Oder ein Smartphone besitzen, denn wie Michael Koch hat auch Sauer einen hippen modernen QR-Code in der Ecke des Plakats, mit dem viele wertebezogene Wähler sicher nichts anfangen können. Er ist eben auch zukunftsorientiert.

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