Einzelrichter Schnelle verurteilte Schenklengsfelder wegen fahrlässigen Vollrausches

Alkohol machte ihn rabiat

Bad Hersfeld. Wie ein Häufchen Elend saß der Angeklagte gestern vor Richter Elmar Schnelle im Bad Hersfelder Amtsgericht. Immer wieder beteuerte er, wie sehr ihm sein Verhalten leid tue.

In der Silvesternacht 2010 hatte der 44-Jährige aus Schenklengsfeld während einer Feier mit seiner Freundin, Verwandten und Bekannten kräftig einen über den Durst getrunken. 2,2 Promille ergab die Messung seines Atems durch die Polizei am frühen Morgen.

Biss in den Oberarm

Irgendwann war der Angeklagte neben seiner Freundin auf dem Sofa eingeschlafen. Als er wieder aufwachte, packte er die Frau und biss sie kräftig in den Oberarm. Einen Grund dafür habe es nicht gegeben, erinnerte sich die 43-jährige Zeugin. Als sie ihn empört fragte, was da solle, da habe er gesagt, er könne mit ihr machen, was er wolle. Daraufhin verließ die Frau die Feier, um zu ihrer ebenfalls in Schenklengsfeld lebenden Mutter zu gehen.

Als sie kurz darauf wieder zurückkam, fand sie ihren Partner in der eisigen Nacht draußen im Hof liegen. Sie wollte ihm aufhelfen, wurde aber plötzlich von ihm angegriffen, geschlagen, gewürgt und gegen ein auf dem Hof stehendes Auto gedrückt, schilderte sie dem Gericht. Fotos von blauen Flecken bestätigten diese Aussagen.

Als schließlich die Polizei kam, die andere Gäste der Feier alarmiert hatten, wurde der 44-Jährige vollends wild. Er weigerte sich, die Polizisten zum Funkwagen zu begleiten oder mit ihnen zu sprechen, schlug und trat um sich und traf dabei auch die beiden Beamten, die schließlich Verstärkung herbeiriefen, um den Angeklagten in ihr Fahrzeug bugsieren zu können.

Völliger Filmriss

Der 44-Jährige erinnert sich an all das gar nicht. Er sei erst wieder aufgewacht, als er vor den Polizisten auf der Erde lag, berichtete er Richter Schnelle. Er habe einen völligen Filmriss gehabt.

Da der Angeklagte aber auch nicht bestritt, dass die Silvesternacht so abgelaufen sei, wie geschildert, da er Reue zeigte, und – so erzählte seine Freundin, die ihm noch eine Chance gegeben hat – auch dem Alkohol abgeschworen hat, waren sich Staatsanwältin Christine Seban und Richter Schnelle einig, dass eine Geldstrafe in Höhe von 440 Euro angemessen sei. Der Angeklagt war zwar vorbelastet, doch lag die letzte Straftat – Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Wiederstand gegen Vollstreckungsbeamte, begangen ebenfalls unter Alkoholeinfluss – bereits acht Jahre zurück.

„Lassen sie den Alkohol sein. Kontrolliert trinken funktioniert nicht“, gab Richter Schnelle dem Angeklagten mit auf den Weg.

Von Christine Zacharias

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