Versuchsanlage entsteht am Landwirtschaftszentrum – Verfahren soll CO2-Ausstoß senken

Algenzucht am Eichhof

Hier entsteht die Algenzucht: Den Bauplatz für die neue Versuchsanlage begutachten (von links) Eichhof-Chef Klaus Reinhardt, Planer Martin Lapp (Rebo Consult) Algea-Geschäftsführer Heinz Peter Haumann, der technische Leiter Johannes Hullige, Bad Hersfelds Klimaschutz-Beauftragter Guido Spohr, Bürgermeister Thomas Fehling und die Algea-Gesellschafter Karl Heutmann und Ina Rehorst. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Am landwirtschaftlichen Lehr- und Forschungszentrum Eichhof soll in den kommenden Monaten eine Algenzuchtanlage gebaut werden. Einen entsprechenden Nutzungsvertrag haben gestern die Vertreter der Firma Algea Future GmbH und Eichhof-Leiter Klaus Reinhardt unterzeichnet.

In Sichtweite des historischen Schlosses lässt die mittelständische Firma Algea eine Halle errichten, in der die Versuchs- und Demonstrationsanlage untergebracht wird.

Die Zucht von Mikroalgen gewinne im Zuge des Klimaschutzes stetig an Bedeutung, erläuterten Algea-Geschäftsführer Heinz Peter Haumann und der technische Leiter Johannes Hullige. Denn die Mikroalgen – etwa 400 000 Arten gibt es insgesamt, 40 000 davon sind erforscht – benötigen für ihr Wachstum Kohlendioxid und binden damit das klimaschädliche Gas. Gleichzeitig seien Algen mittlerweile ein gefragter Rohstoff.

Zwei wirtschaftlich nutzbare Algenstränge gebe es, erläuterte Haumann. Einer sei proteinhaltig und werde in der Nahrungs- oder Futtermittelindustrie verwendet. Der andere enthalte Öl und könne etwa zu Badezusätzen aber auch zu Benzin weiterverarbeitet werden. Auch in der Chemie- und Pharmabranche oder als Biomasse-Energieträger kämen sie zum Einsatz. Die bisher auf dem Markt befindlichen Algenzuchtverfahren, bei denen die Organismen etwa in Becken oder Schläuchen vermehrt werden, nutzten für das Wachstum meist nur das Sonnenlicht, erläuterte Johannes Hullige.

Bei der Bad Hersfelder Versuchsanlage komme hingegen eine LED-Beleuchtung zum Einsatz. Dadurch könne 23 Stunden am Tag produziert werden, lediglich eine Stunde benötigten die Algen zur Regeneration.

Während herkömmliche Verfahren 0,5 Gramm Trockenmasse pro Tag und Liter produzieren, erhoffen sich die Betreiber des Bad Hersfelder Prototyps die dreifache Menge. Die Algen werden dabei in platzsparenden Reaktoren, die in Modulbauweise erweiterbar sein sollen, in einem komplett abgeschlossenen System wachsen. Dadurch könne Ware höchster Qualität für die Lebensmittelindustrie erzeugt werden.

Die Biogasanlage des Eichhofes wird dafür die Algenzucht nötige Wärme und das bisher ungenutzte Kohlendioxid aus der Verbrennung des Biogases liefern. Auf lange Sicht erhofft sich Klaus Reinhardt weitere Anknüpfungspunkte für die Lehr- und Forschungstätigkeit des Eichhofes. So sollen etwa die Labore gemeinsam genutzt werden.

Der Nutzungsvertrag sei zunächst auf fünf Jahre ausgelegt, könne aber weiter verlängert werden. Insgesamt investiert die Firma Algea am Eichhof 1,5 Millionen Euro, die aus Eigenkapital und Fördergeld finanziert werden. Noch in diesem Jahr soll die Anlage in Betrieb gehen. Zum Jahresende erhoffen sich die Investoren bereits Erkenntnisse für die Serienreife.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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