DGB erwägt Volksentscheid über Verkauf der Landesbeteiligung

Alarmstimmung bei Mietern der Wohnstadt

Stefan Körzell

Hersfeld-Rotenburg. Seit Hessens Finanzminister Thomas Schäfer im vergangenen Jahr angekündigt hat, das Land prüfe den Verkauf seiner Beteiligung an der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt ist in viele Wohnungen die Angst eingezogen. Allein im Kreis Hersfeld-Rotenburg wären 1664 Wohungen mit zumeist älteren und sozialschwachen Mieter betroffen, die nun mit bangem Blick nach Wiesbaden schauen.

„Es herrscht Alarmstimmung“, sagt der Hessische DGB-Chef Stefan Körzell. Die Gewerkschaften warnen gemeinsam mit SPD, Grünen und Linken nachdrücklich vor einem Verkauf und haben bereits 6000 Unterschriften gesammelt. „Das Land hat auch den Auftrag, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen“, meint Körzell. Das sieht der Finanzminister anders. Er verspricht aber, dass nicht an Finanzinvestoren verkauft werden soll. Mit den Mietern solle fürsorglich umgegangen werden, heißt es. Noch gibt es auch kein offizielles Bieterverfahren.

Das Land hofft dem Vernehmen nach auf Erlöse in Höhe von rund 350 Millionen Euro, die zur Finanzierung der Schuldenbremse genutzt werden sollen. Als möglicher Käufer ist die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG im Gespräch.

„Aber was wollen die mit Wohnungen zum Beispiel in Wildeck“, fragt Körzell und befürchtet den Weiterverkauf an Investoren und Mieterhöhungen oder gar die Umwandlung in Eigentumswohnungen. Viele Mieter werden sich das nicht leisten können, denn in Nordhessen sind fast 40 Prozent von ihnen Rentner mit einem Durchschnitts-Einkommen von 1300 Euro, berichtet Körzell.

Während der Kreis in einer ersten Stellungnahme des Landrats noch gelassen reagiert, denkt der DGB inzwischen sogar an einen Volksentscheid über den Verkauf. ZuM Tage, Seite 2

Von Kai A. Struthoff

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