Geistalschüler leisteten kreativen Beitrag zu „Bad Hersfeld liest ein Buch“

Aktion mit Leben gefüllt

Eine Buchempfehlung einmal anders: Im nostalgischen Ambiente machten die Schüler und Schülerinnen der Geistalschule mit ihren „Charakterbildern“ Lust auf das Lesen des Aktionsbuchs von Mathias Nolte. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Ein Nierentisch mit den dazu passenden bunten Stühlen, die Schallplattensammlung vor dem Plattenspieler, der gerade „Melodie d’ amour“ abspielt, an der Wand Bilder von Elvis Presley und Ingrid Bergmann. So hat es in vielen deutschen Wohnstuben Ende der 50er Jahre ausgesehen, als sich Louise und Jonas in Ostberlin am Penzlauer Berg kennengelernt haben. Um diese beiden Hauptfiguren aus dem Roman „Louise im blauweiß gestreiften Leibchen“ von Mathias Nolte drehte sich am Dienstagabend das spielerische Programm in der Aula der Geistalschule anlässlich der Aktionswoche „Bad Hersfeld liest ein Buch“.

Die Jahrgangsstufe 10 hatte sich im Wahlpflichtkurs „Theater“ mit ihrer Lehrerin Birgit Schmitt intensiv mit dem Buch und den darin vorkommenden Personen auseinandergesetzt. Sie vermischten Textaussagen mit eigenen Reflexionen und entwarfen so „Charakterbilder“, die sie in sehr niveauvoller Form im Beisein des Autors präsentierten.

Es war keine Lesung und es gab auch keine Inhaltsangabe. Die Menschen aus dem Buch kamen selbst zu Wort. Über den Maler Jonas waren sich alle einig. Der Künstler wurde als liebenswert, still und ängstlich skizziert. Dagegen gingen die Meinungen über Louise auseinander. Sie sei eine aufreizende Frau, die Jonas um den Finger wickelt. Unkompliziert, optimistisch, höflich, mit guten Manieren, aber auch schamlos und rücksichtslos sind die Attribute, die man ihr zuschreibt. Sie wird gehasst und gemocht. Louise ist Muse und Verhängnis für den Maler, der nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie leben kann und deshalb als Konsequenz Selbstmord begeht.

Die Personen in dem Unterhaltungsroman sind von Nolte perfekt konstruiert worden, sodass sie jede Menge Bearbeitungsstoff bieten. Mit den genannten Requisiten der 50er Jahre in einer „Lounge“ und dem passenden Outfit gelang es den Akteuren, die Atmosphäre der damaligen Zeit wieder aufleben zu lassen. Auf der Bühne wurden im Hintergrund Berlin-Fotos von Daniela Bellm gezeigt. In einem Videobeitrag lasen Schüler und Schülerinnen von der Partnerschule aus Sumperk kurz zu Beginn Sequenzen aus der Rahmenhandlung vor. Eine Kunstausstellung der Jahrgangsstufe 5 und der Klasse G9b umrahmte die Veranstaltung.

Mathias Nolte suchte nach der Vorstellung das Gespräch mit den Schülern und Schülerinnen und zeigte sich beeindruckt von deren Arbeitsergebnissen. Ein großes Lob bekamen die Akteure auch von Dr. Thomas Handke, Vorsitzender des Kulturausschusses: „Ihnen ist es hervorragend gelungen, eine solche Aktion mit Leben zu füllen.“

Von Vera Hettenhausen

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