Frischzellenkur für die Bad Hersfelder Jahnhalle – Neu vom Boden bis zur Decke

Akrobatik unterm Dach

Schwindelnde Höhe: Vorarbeiter Erwin Weiske (Vordergrund) blickt auf zu seinem Mitarbeiter, der unter der Decke vor der Bühne hantiert.

Bad Hersfeld. Die Bad Hersfelder Jahnhalle ist bald 50 Jahre alt und seit der Eröffnung im Jahr 1962 hat sich nicht viel an ihr getan. Das merkten nicht nur die Vorstandsmitglieder des Turnvereins, sondern dieser Tage auch Polier Dietmar Weiske und seine Arbeiter, die die Decke aus der Halle heraus schafften.

Im Porenbeton unter der Verschalung hatten Arbeiter mit dem Datum 11. Oktober 1961 ihre Autogramme eingekratzt. Und eine schöne alte Bügelbierflasche aus dieser Zeit fiel den Trockenbauern auch noch in die Hände, die momentan Spezialdübel unter dem Dach versenken, um an Halterungen die neue Decke abzuhängen.

Mit kräftiger Unterstützung der Stadt Bad Hersfeld und des Landes Hessen wird die Halle des Turnvereins Hersfeld (TVH) für rund 800 000 Euro renoviert und mit einer neuzeitlichen Wärmedämmung versehen.

Konjunkturprogramm

Möglich macht die Großinvestition das Konjunkturprogramm, das Vorhaben zur energetischen Sanierung großzügig sponsert. Weil das der Verein aus eigener Kraft niemals hätte stemmen können, sprang die Stadt Bad Hersfeld in die Bresche.

Wegen der laufenden Baumaßnahmen gucken die Narren und Närrinnen, die auf den großen TVH-Fasching abonniert sind, in diesem Jahr in die Röhre.

Zur Breitseite hin, die bislang noch die Rückseite der Halle bildet, haben Arbeiter bereits neue, energiesparende Fenster eingesetzt, die sich äußerlich jedoch nicht von den übrigen Fenstern unterscheiden.

Nach Angaben von Architekt Volker Dietz, der den Umbau plante, war die abgehängte Decke nicht mehr mit allen Haltepunkten an der Konstruktion verbunden. Die neue Ballspieldecke bekommt eine obenliegende Wärmedämmung, die 180 Millimeter dick ist.

78 neue Einzelleuchten werden in die Hallendecke eingesetzt, die immerhin eine Fläche von 650 Quadratmetern umfasst. Wo keine Lampen sitzen, bilden gelochte Edelstahlbleche den neuen Hallenhimmel. Die Hallenwände wurden bereits gespachtelt und neu verputzt, damit darüber ein Prallschutz gegen verirrte Handbälle aufgebracht werden kann.

Die Bauleitung hat der Vorstand des TVH dem Architekturbüro von Manfred Humburg übertragen. Planer und Bauleiter sind stolz darauf, dass nahezu fast alle ausführenden Firmen aus der Region kommen.

Die Renovierung bringt zudem mehr Sicherheit für die Sportler, die bislang noch in gefährlicher Nähe zur Bundesstraße die Busse besteigen. Die Parkplätze weichen einer vorschriftsmäßig gestalteten Bushaltebucht. Neue Stellflächen hat die Stadt Bad Hersfeld bereits an der Rückseite der Halle anlegen lassen. Sie sind zurzeit aber noch abgesperrt, weil nebenan die Reste des Babcock-Verwaltungsbäudes zermahlen werden.

Von Kurt Hornickel

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