49-jährige Hersfelderin unschuldig in Verfahren über Sozialhilfe-Betrug verwickelt

Ahnungslos auf die Anklagebank

Bad Hersfeld. Man hätte einmal Mäuschen sein mögen, als diese Woche in einer Wohnung im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft über einen Betrugsprozess vor der Strafrichterin am Amtsgericht gestritten wurde. Denn hier war eine 49-jährige Frau auf der Anklagebank gelandet, obwohl sie mit den Tatvorwürfen absolut nichts zu tun hatte.

Gekommen war das so: Gemeinsam mit ihrem Mitbewohner („Das ist nicht mein Freund!“), einem 44-jährigen Kurierfahrer, hatte sie bei der Sozialhilfe eine Bedarfsgemeinschaft gebildet.

Zu viel verdient

Bei einer Überprüfung des Logistik-Unternehmens, für das der Hersfelder tätig war, hatte der Zoll Abrechnungen entdeckt, aus denen sich ein regelmäßig höherer Verdienst des 44-Jährigen ergab, als dieser gegenüber dem Sozialamt angegeben hatte. Über die Jahre hatte er etwas mehr als 2000 Euro zu Unrecht bezogen. „Ich hatte Schulden und musste Löcher stopfen,“ sagte der Angeklagte, der den Großteil des Geldes bereits zurückgezahlt hat, zu seinem Motiv.

Die Schummelei beim Lohn brachte wegen der Bedarfsgemeinschaft jedoch nicht nur ihm, sondern eben auch seiner Mitbewohnerin eine Anklage der Staatsanwaltschaft Fulda ein.

Weil aber immer nur er an den Briefkasten ging, gelang es ihm, das Verfahren zu verheimlichen. Erst wenige Tage vor dem Gerichtstermin erfuhr die ahnungslose Frau davon und war entsprechend sauer.

Schnell aufgeklärt

Vor Richterin Silvia Reidt ließ sich das Ganze dann jedoch schnell aufklären. Das Verfahren gegen die 49-Jährige wurde eingestellt, der Kurierfahrer wegen Betrugs in 13 Fällen zu 700 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die Entscheidung wurde sofort rechtskräftig.

Ohnehin vermutete Oberamtsanwältin Birgit Steinmüller wohl ganz richtig, dass den Angeklagten die schwerwiegender Strafe wohl erst zuhause erwarte, wenn ihm seine Mitbewohnerin die Leviten lesen würde.

Von Karl Schönholtz

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