Anna-Mira Brandau (20) aus Bad Hersfeld war sechs Monate in Namibia

Afrika – und kein Ende

Am Kap der Guten Hoffnung endet Afrika – zumindest geografisch: Unsere Autorin Anna-Mira Brandau aber ist auch nach sechs Monaten auf dem schwarzen Kontinent noch nicht fertig mit Afrika. Fotos: privat/nh

Windhoek/Bad Hersfeld. Viel zu schnell sind meine letzten Wochen in Namibia vergangen. Bald hieß es Abschied nehmen von meiner „Heimat auf Zeit“, die mir wirklich zu einem Zuhause geworden war. Vor meiner Abreise habe ich viele Klamotten und Schuhe aussortiert, die ich schon mit dem Gedanken mitgebracht hatte, sie am Ende zu verschenken.

Das habe ich in Katutura, einem armen Vorort von Windhoek, getan. Dabei habe ich noch einmal gemerkt, wie wichtig es für mich war, dass ich auch diese Seite Windhoeks kennengelernt habe. Denn Teilen macht glücklich! Eine der vielen Dinge, die ich lernen durfte.

Nie hätte ich gedacht, dass mir all die Menschen und die Orte so ans Herz wachsen würden. Entsprechend schwer und traurig war dann der Abschied. Zum Glück musste ich mich noch nicht ganz von Afrika verabschieden: Nach 23 Stunden, sogar recht angenehmer Busfahrt, kamen ein Freund und ich in Kapstadt an.

Kapstadt: eine der schönsten Städte der Welt! Sofort hat mich diese Stadt in ihren Bann gezogen, auch deshalb, weil sie so ganz anders ist als Windhoek. Plötzlich fuhren wieder Busse auf den Straßen, es gab bekannte Fast-Food-Ketten und Nachtclubs!

Leider hatte ich nur drei Tage Aufenthalt, die ich aber sehr gut genutzt habe. Mein Höhepunkt war ein Tagesausflug zum „Kap der guten Hoffnung“. Mit Worten ist kaum zu beschreiben, was für eine Schönheit dieser Ort besitzt!

Gewachsen an Erfahrungen

Jetzt bin ich seit ein paar Wochen wieder in Deutschland und mein Ankommen war toll! Trotzdem denke ich sehr viel über meine Zeit in Namibia nach und ich kann aus vollstem Herzen sagen, dass es die richtige Entscheidung war! Dieses halbe Jahr war das aufregendste, lehrreichste und tollste halbe Jahr meines Lebens. Ich bin gewachsen an den guten, aber auch gerade an den nicht so guten Erfahrungen.

Ich glaube, dass ich während meiner Zeit in der Gemeinde eine gute Arbeit gemacht habe und bestimmt auch nützlich war. Aber den Menschen „helfen“, die es nötig haben, so wie ich mir das vorher in meiner idealistischen Vorstellung ausgemalt hatte, konnte ich nicht. Vielleicht konnte ich es den Kindern in meinem Kindergarten im Township an manchen Stellen einfacher machen und für den Moment konnte ich ihnen vielleicht helfen. Aber ist das nachhaltig?

Ich habe mit mehreren Einheimischen gesprochen, die meinten: „Ich verstehe euch Freiwillige nicht. Ihr kommt hierher nach der Schule, ohne Berufsausbildung, und denkt ihr könnt uns helfen.“ Und sie haben Recht. Natürlich sind Freiwilligenprogramme sinnvoll. Man kann Arbeiten erledigen, die erledigt werden müssen und man lernt eine Menge über sich selbst und die Welt. Man verändert sich selbst zum Positiven.

Aber noch sinnvoller wäre es, wenn man in ein Entwicklungsland kommt, wenn man eine Ausbildung hat. Wenn man den Menschen etwas beibringen kann. Wenn man ihnen helfen kann, sich selbst zu helfen.

Für mich persönlich habe ich die Konsequenz daraus gezogen, dass Afrika und ich lange noch nicht fertig sind. Ich komme wieder, ganz bestimmt!

Von Anna-Mira Brandau

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