Die Bad Hersfelderin Ute Steinberger hat ihr Patenkind im Senegal besucht / PLAN-Aktionstag im Buchcafé

Afrika – jenseits von Daktari

Trommeln gehört in Afrika einfach dazu: Wenn Besucher in die Dörfer der Einheimischen kommen dann werden sie meist von Trommelklängen willkommen geheißen. Auch beim Afrika-Tag im Buchcafé wird deshalb getrommelt, um die Gäste in die richtige Stimmung zu versetzen. Fotos: Privat/nh

Als Kind der „Daktari-Generation“ war ich schon früh von Afrika begeistert. Doch Afrika war damals weit weg. Der Zauber dieses Kontinents fasziniert mich bis heute, jedoch hat sich mein Bild relativiert. Mir wurde bewusst, dass neben Schönheit und Exotik in großen Teilen Afrikas Not, Unterdrückung und Hunger allgegenwärtig sind. Viele Menschen leben in größter Armut, haben kaum das Nötigste zum Leben.

Vor zehn Jahren habe ich beim Kinderhilfswerk PLAN International die Patenschaft für einen kleinen Jungen im Senegal übernommen. Als ich ein Foto von diesem Jungen bekam, der mit seinem Vater vor einer Lehmhütte stand, war für mich klar, dass ich irgendwann in den Senegal reisen würde. Ich wollte das Land, die Menschen und deren Kultur kennenlernen. Zwischen meinem Patenkind und mir gingen viele Briefe hin und her, immer übersetzt von PLAN International.

Obwohl „mein kleiner Junge“ inzwischen groß ist, dank PLAN eine Schule besucht hat und jetzt eine Ausbildung zum Bäcker macht und so seine Familie unterstützt, bin ich dann doch endlich in den Senegal gereist.

Herzlich und freundlich

Unsere kleine Gruppe war in die dörfliche Gemeinschaft eines kleinen Fischerortes direkt an der Atlantikküste eingebunden. Ich konnte eintauchen in eine farbenfrohe Welt, in der man immer irgendwo Trommelklänge hört und der Geruch von Holzfeuern allgegenwärtig ist. Sowohl die Einfachheit und Bescheidenheit des Lebensalltags als auch die Herzlichkeit und Lebensfreude der Menschen haben mich sehr beeindruckt.

Ein unvergessliches Erlebnis war die Hochzeit in einem kleinen senegalesischen Dorf, wo sonst keine Touristen hinkommen. Nie werden wir das Hochzeitsmahl unter dem Mangobaum, die Menschen, die uns so freundlich und selbstverständlich aufgenommen haben, die Farben und Klänge vergessen.

Außerdem wollte ich mein neues Patenkind Mariama besuchen. In einem Geländewagen, beladen mit Geschenken für mein Patenkind und seine Familie – Reis, Zucker, Öl und Seife – fuhren wir abseits von geteerten Straßen durch Dörfer mit Lehmhütten und Strohdächern. Unterwegs besichtigten wir PLAN-Projekte, die mit den monatlichen Beiträgen finanziert werden.

Noch viel zu tun

So sahen wir einen Wasserturm, einen Mangohain und mehrere Schulen. PLAN engagiert sich stark für die Schulbildung der Kinder, um ihnen später ein besseres Leben zu ermöglichen. Wir besuchten eine Krankenstation mit gynäkologischem Untersuchungszimmer. Alles war relativ sauber und aufgeräumt, die medizinische Ausstattung jedoch erschreckend unvollständig. Es fehlt an allem: Medikamenten, Verbandsmaterial, medizinischen Geräten. Spätestens hier wurde uns klar, dass es noch so viel zu tun gibt.

Als wir im Dorf meines Patenkindes ankamen, war alles auf den Beinen. Auch dieses Dorf bestand ausschließlich aus fensterlosen Lehmhütten mit bunten Stoffen in den Eingängen und Strohdächern.

Es folgte eine feierliche Zeremonie mit einer Ansprache des Dorfältesten, weiteren Begrüßungs- und Dankesreden, sowie Trommel- und Tanzdarbietungen. Anschließend wurden die Geschenke überreicht und ich wurde in die Hütte meines Patenkindes eingeladen. Leider verging die Zeit viel zu schnell, und es ging auf staubigen und holprigen Sandpisten durch die westafrikanische Steppe zurück.

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