Kassenärztliche Vereinigung will Wochenenddienst neu ordnen

Ärztliche Bereitschaft: Kreis gegen Callcenter

Hersfeld-Rotenburg. Wer künftig am Wochenende einen Hausarzt braucht, könnte mit seinem Anruf beim Bereitschaftsdienst zunächst in Kassel oder Frankfurt landen. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) will bis Ende 2014 zwei Callcenter einrichten, die nachts und an Wochenenden alle Anrufe von Hausarztpatienten entgegen nehmen. Die KV-Vertreter sollen dem heute zustimmen. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg übt an dem Vorhaben bereits deutliche Kritik.

Wie alle hessischen Landkreise wünscht man sich auch in Bad Hersfeld, dass die Rettungsdienstleitstelle des Kreises den ärztlichen Bereitschaftsdienst mit koordiniert. Das sorge für mehr Bürgernähe als ein entferntes Callcenter und schaffe keine Strukturen, die zusätzlich Geld kosten, erklärte Kreissprecher Michael Adam. Außerdem seien Ortskenntnisse bei der Betreuung von Patienten wichtig.

Die niedergelassenen Ärzte hingegen befürworten die Pläne der KV. „Die Aufgabe einer Rettungsleitstelle unterscheidet sich tiefgreifend von der des ärztlichen Bereitschaftsdienstes“, sagt der Sprecher der Hausärzte im Kreis, Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld.

Erfahrungen aus Hofheim am Taunus, wo die Leitstelle vier Jahre lang für den ärztlichen Bereitschaftsdienst zuständig war, hätten gezeigt, dass sie bei vielen Anrufen an Feiertagen oder während einer Grippewellen überfordert war. Da die Leitstelle im Notfall sofort erreichbar sein muss, dürfe es keine Warteschleife geben, die sich der Bereitschaftsdienst erlauben könne. „Mit wie vielen Leuten wollen wir die Leitstelle denn besetzen?“, fragt Ebel.

Sein Heinebacher Kollege Dr. Jörg Merkel fürchtet außerdem, dass die Leitstelle, die auf das Erkennen von Notfällen trainiert ist, häufiger den Rettungswagen schicken würde. So würden Patienten, die eigentlich der Hausarzt behandeln müsste, in der Notaufnahme landen.

Hintergrund, Zum Tage

Von Marcus Janz

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