Noch stimmt die Arzneimittelversorgung in Hersfeld-Rotenburg

Ärztemangel bedroht Apotheken im Kreis

Hersfeld-Rotenburg. In den nächsten 15 Jahren werden 75 Prozent der Arztpraxen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg neu zu besetzen sein. Das hat eine Untersuchung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen ergeben. Damit ist nicht nur die Zukunft der Arztpraxen, sondern auch die der Apotheken ungewiss.

Im Landkreis sei für die Arzneimittelversorgung noch gesorgt, sagt die Bad Hersfelder Apothekerin Saskia Hildwein. Von den 32 ansässigen Apotheken befinden sich 16 in der 30 000-Einwohner-Stadt Bad Hersfeld, acht in Rotenburg, wo 13 600 Menschen zu versorgen sind, drei in Bebra, und auch in umliegenden Orten gibt es sie, etwa in Ludwigsau, Friedewald oder Heringen. Eine Apotheke gibt es auch in Ronshausen, wo 2000 Menschen leben. Das Verhältnis von Apotheken- und Einwohnerzahl stimmt noch. „Aber in die Zukunft schauen können wir nicht“, sagt Harald Rössing, Inhaber der Ulfen-Apotheke in Ronshausen.

„Wenn Ärzte wegfallen, ist in der Apotheke auch nichts mehr los“, sagt Hildwein. So sieht es auch Dr. Martin Ebel, Sprecher des Hausärzteverbandes im Landkreis: „Das Problem sehe ich vor allem in kleineren Orten, wo es nur ein oder zwei Ärzte gibt. Ohne Nachfolger wird es dort für die Apotheken schwierig.“

Ein anderes Problem, so Hildwein, seien „die ständigen Wellen von Spargesetzen, die die Wirtschaftlichkeit unterhöhlen“. An „die Grenzen der Wirtschaftlichkeit“, so Erika Fink von der Landesapothekenkammer, kämen viele Apotheken schon durch Botendienste, mit denen sie Ältere versorgen, die keine weiten Wege auf sich nehmen können. Botenfahrten nehmen auch im Kreis zu, so Hildwein.

Video-Apotheken, von denen es eine in Lispenhausen gibt, hält Rössing für keine Alternative. „Ein Bildschirm kann die Beratung und den persönlichen Kontakt, den viele Kunden in der Apotheke suchen, nicht ersetzen.“ Hintergrund/Zum Tage

Von Claudia Hempel

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