Kreis stellt Auffälligkeiten bei einigen Hartz-IV-Empfängern fest

„Ärzte-Hopping“ statt Termin im Jobcenter

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Hersfeld-Rotenburg. Hartz-IV-Empfänger, die sich bewusst vor Jobcenter-Terminen oder Vorstellungsgesprächen drücken, indem sie sich krankmelden, sollen schärfer kontrolliert werden. Bei häufigen Kurzerkrankungen sind die Jobcenter seit dem 1. April angewiesen, den Medizinischen Dienst der Krankenkassen einzuschalten. Vorher sei das eine „Kann-Entscheidung“ gewesen, erklärt Kreis-Pressesprecher Michael Adam.

Denn auch in Hersfeld-Rotenburg tauche das Phänomen der plötzlichen oder rückwirkenden Krankschreibungen gelegentlich auf. „Es werden Auffälligkeiten festgestellt, wenn Kunden aufgefordert werden, an einer Fortbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahme teilzunehmen oder zu einem Vorstellungsgespräch zu gehen“, so Adam. Nicht selten würden durch die Kunden kurzfristig Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vorgelegt. Durch die Wiederholung dieser Vorgehensweise und durch „Ärzte-Hopping“ würde die Vermittlung in Arbeit so zusätzlich in die Länge gezogen.

„Eine Sensibilisierung der Hausärzte ist auch nicht immer einfach“, berichtet Michael Adam. „Diesen muss vermittelt werden, dass Nachfragen keinen Angriff auf die intellektuellen oder ärztlichen Fähigkeiten darstellen.“

Eine Erhebung zum Stichtag 30. April 2013 habe ergeben, dass 248 der insgesamt 4 245 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten arbeitsunfähig erkrankt waren. Dies entspricht 5,8 Prozent. Dabei geht es laut Adam um Arbeitsunfähigkeits-Zeiträume von einer Woche bis hin zu zwei Jahren. Bei diesen seltenen Fällen handele es sich um Personen, die eigentlich als erwerbsunfähig zu bezeichnen seien, über deren Fälle die Rentenstelle allerdings noch nicht entschieden habe.

Sanktionsmöglichkeiten seitens des Job-Centers stünden selbst bei offensichtlichen Auffälligkeiten nur eingeschränkt zur Verfügung.

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Von Nadine Maaz

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