Brief aus Bad Salzungen: Ärger, Angst und Verfall

Moin, moin, liebe Nachbarn aus Hessen. Das, was am vergangenen Wochenende über soziale Netzwerke verbreitet wurde, bestätigten das Landratsamt und die Stadtverwaltung Bad Salzungen am Montag auf Nachfrage der Redaktion: Auf einer 8800 Quadratmeter großen Fläche oberhalb des Herkules-Marktes will der Wartburgkreis Unterkünfte für Flüchtlinge errichten.

Fünf Wohnkomplexe sowie mehrere Sanitärtrakte mit Küchen sollen in Containerbauweise entstehen – insgesamt 200 Plätze. In der vergangenen Woche hatte der Hauptausschuss diese Entscheidung einstimmig beschlossen. Damit wolle man dazu beitragen, „dass die Unterbringung von Asylsuchenden in unserer Stadt kontrolliert und koordiniert wird“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Fraktionen Freie Wähler/SPD/Grüne, Linke sowie CDU/FDP.

Bei den Anwohnern stießen die Pläne von Stadt und Landkreis auf Besorgnis und Verärgerung. Man befürchte eine Abwertung der Grundstücke und Häuser und habe große Sicherheitsbedenken. „Wir fordern, dass der Mietvertrag im gegenseitigen Einvernehmen wieder gekündigt wird und Alternativen geprüft werden“, sagte Andreas Bock. Eine öffentliche Versammlung zum Containerdorf soll es im April geben, zuvor sollen die Anwohner separat informiert werden.

Um Informationen ging es unter der Woche auch dem Bauausschuss Bad Liebenstein. Der machte sich nämlich ein Bild von zwei Gewölbekellern, die sich in der Altensteiner Straße in Schweina, unterhalb des Goetheweges befinden. Ihr Ursprung ist nicht ganz klar. Bürgermeister Dr. Michael Brodführer (CDU) berief sich während der Sitzung des Ausschusses für Bau, Verkehr, Umwelt und Stadtentwicklung auf Berichte von Bürgern. Demnach seien die Keller früher als Bierkeller von einer Gaststätte genutzt worden. Seit Jahren stehen die Keller jedoch leer und verfallen. Erhalt oder Verfüllung der beiden Keller, lautet nun die Frage für die Stadt Bad Liebenstein. Michael Keilhold, Geschäftsführer Berg & Bau Brotterode Trusetal, schlägt in einer von drei Varianten vor, die Zugangsmauer zu sichern. Da in einem Keller die Innenmauer ebenfalls Schäden aufweise, würde eine erste Sicherung der Zugangsmauer und der geschädigten Mauer im Keller zirka 4700 Euro netto kosten. Wenn die Keller nicht erhalten werden sollen, schlägt Keilhold den Abbruch der Stützmauern und die Verfüllung der beiden Keller vor. Danach müsste die Böschung zur Altensteiner Straße neu angelegt werden.

Dafür gibt es laut Angebot von Berg & Bau zwei Varianten. Variante eins: die Keller werden verfüllt und durch die neue Böschung würde sich die Gehwegbreite von jetzt 1,50 Metern auf 90 Zentimeter verringern. Kosten zirka 29 144 Euro netto. Variante zwei: die Keller werden verfüllt, die Böschung aber mit Winkelstütz-elementen abgefangen, sodass die vorhandene Gehwegbreite erhalten werden könne. Hier beläuft sich das Angebot auf zirka 28 979 Euro netto. Noch ist die Entscheidung zu den Gewölbekellern völlig offen. Doch zumindest im Bauausschuss fand der Erhalt des Kellers keine Befürworter.

carsten.jentzsch@gmx.de

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