Schauspieler Stephan Ullrich besuchte die evangelische Kindertagesstätte im Schlippental

Äpfel putzen die Stimme

Mit einem Korken im Mund spricht man eigentlich nicht sehr deutlich. Es sei denn, man hat es wie Stephan Ullrich gelernt. Der Festspielschauspieler war zu Besuch in der Kindertagesstätte der evangelischen Martinskirche im Schlippental. Fotos: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Ein lauter summender A-Ton durchdrang die Räume der evangelischen Kindertagesstätte der Martinskirche am Freitagmorgen. Stephan Ullrich, ein erfolgreicher Bühnen- und Filmschauspieler, war zu Gast im Schlippental. Zwischen den Proben zu drei Festspielstücken nahm er sich die Zeit, um bei den zukünftigen Adressaten der Festspiele Interesse für das Theater zu wecken.

Sichtlich wohl fühlte er sich bei dem jungen Publikum, erst recht, nachdem er seine kuscheligen Ringelsocken angezogen und sich mitten unter die neugierigen Zuhörer gesetzt hatte. Die rechte Hand auf die linke Brust gelegt, die Zunge auf die unteren Zähne gedrückt und dabei ganz laut und lange „A“ sagen – dies war nur eine der Atem- und Sprechübungen, die die Kinder begeistert mitmachten.

Blick in die Augen

Zusammen mit dem kleinen Arturo demonstrierte Ullrich, wie man sich mit dem richtigen Händedruck begrüßt. Wichtig sei dabei der gegenseitige Blick in die Augen. „Ihr seht und hört uns zu, dadurch werden wir auf der Bühne lebendig und das Spiel entsteht“, sagte Ullrich. Seine Oma habe ihm früher immer Geschichten erzählt. Das habe ihm so gefallen, dass er auch Geschichtenerzähler werden wollte.

„Druckvolles Sprechen ist auf einer Bühne, wie sie in der Stiftsruine ist, eine große Herausforderung“, gab der Schauspieler zu. Dass er die Kunst des ausdrucksstarken, deutlichen Sprechens perfekt beherrscht, demonstrierte der Besucher, als er mit seiner angenehmen Stimme Wilhelm Buschs Geschichten von „Max und Moritz“ rezitierte. Nach eineinhalb Stunden, die im Nu vergingen, beeilte sich Ullrich zur Probe von „Maria Stuart“ zu kommen. Er müsse als Leicester gleich die Königin küssen, die das eigentlich gar nicht möchte, plauderte er zum Abschied noch aus.

Jedem Kind schenkte der sympathische Darsteller, der auch in den Produktionen „Die Wanderhure“ und „Im Namen der Rose“ zu sehen ist, dann einen Apfel, „weil die Säure der Äpfel die Stimme putzt“.

Von Vera Hettenhausen

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