Polizisten der Lolls-Wache haben jugendliche Raucher und Trinker genau im Blick

Mit Adleraugen auf Lolls

Zwischen Losbuden und Fahrgeschäften im Einsatz: Die Polizeioberkommissare Martin Mohr (links) und Sascha Schumann sind auf dem Lullusfest unterwegs und sorgen dort für die Sicherheit. Ein nettes Pläuschchen zwischendurch ist aber auch mal drin. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Kaum sieht er die Polizisten, verschwindet die Flasche Wodka schnell im Rucksack. Martin Mohr von der Lolls-Wache und Kollege Sascha Schumann schöpfen Verdacht. „Junger Mann, den Ausweis bitte!“ Der junge Mann holt seinen „Perso“ raus und ist bereits 20. Mohr und Schumann wünschen lachend noch einen schönen Abend, der vermeintliche Sünder nimmt’s locker und grinst.

Die Polizeioberkommissare haben bei ihrem Rundgang über das Lullusfest nicht nur mutmaßliche Pöbler oder Taschendiebe im Blick, sondern auch Raucher und Trinker unter 18 Jahren. Ein beliebter Treffpunkt ist der Autoscooter. Prügeleien gibt es gerade keine.

„Wir müssen immer einsatzbereit sein.“

Martin Mohr

„Heute ist es ruhig. Aber das kann sich jede Minute ändern. Wir müssen immer einsatzbereit und einsatzfähig sein“, sagt Martin Mohr.

Kaum ausgesprochen, schnappt sich sein Kollege plötzlich einen Jugendlichen mit auffälliger Stachelfrisur. Obwohl der seine Zigarette ganz unauffällig weggedreht hält, hat Schumann – „Kollege Adlerauge“ – sie sofort und aus mehreren Metern Entfernung entdeckt. Der junge Mann wird mit zur Wache genommen, Mohr kontrolliert seine Taschen. Einen Ausweis hat der Jugendliche nicht dabei, er nennt den Beamten aber sein Geburtsdatum und seine Adresse. 15 Jahre alt ist er und mit seinem Bruder und einigen Freunden auf Lolls unterwegs. Getrunken habe er „nicht viel“. Ob er mit einem Atemalkoholtest einverstanden sei? „Joa“, der Bad Hersfelder zuckt lässig mit den Schultern. „Weiter, weiter, weiter, weiter, guuut“, erklärt Mohr als der Jugendliche ins Röhrchen pustet: 0,4 Promille.

Nachdem die Personalien des Jungen und seines Bruders überprüft worden sind, darf er die Wache verlassen – aber nicht ohne Ermahnung. „Du bist noch ein bisschen jung für Zigaretten und Alkohol. Mama und Papa werden sicher nicht begeistert sein“, sagt Mohr. „Stiefvater“, verbessert der 15-Jährige, den Blick gesenkt. Sein Name wird eine Exceltabelle eingetragen. Wann immer unter 18-Jährige mit Zigaretten oder Alkohol aufgegriffen werden, werden die Eltern schriftlich informiert. Der Jugendsachbearbeiter der Polizei verschickt alle Briefe nach der Lolls-Woche.

„Jugendliche sind auf Lolls unser Hauptklientel“, berichtet Martin Mohr. Es gebe aber eigentlich nichts, was es nicht gibt. Der Einsatz am späten Dienstagabend allerdings, als die Polizei einem flüchtenden Stofftier-Dieb hinterherlaufen musste, war schon eine Kuriosität. „So etwas hatten wir glaube ich noch nie.“

Kontakt über Funk

Mit seinen Kollegen hält Mohr über Funk Kontakt. Die Kommunikation funktioniere trotz der Lautstärke auf dem Marktplatz gut. Mit wievielen Beamten die extra eingerichtete Lolls-Wache besetzt ist, darf Mohr nicht verraten: „Das sind einsatztaktische Informationen.“ Verstärkung kann jederzeit angefordert werden.

Seit 2004 und 2005 sind Mohr und Schumann bei der Bad Hersfelder Polizei und fast jedes Jahr im Lolls-Einsatz. „Das ist schon was anderes als sonst. Es macht aber auch Spaß und Lolls ist eben das Fest der Feste hier, das soll man ruhig feiern“, so Mohr. „Aber natürlich friedlich.“ Eine besondere Herausforderung sei die Geräuschkulisse. „Da muss man ein lautes Organ haben, um sich durchzusetzen.“ Und kontaktfreudig müsse man sein.

So wachsam Mohr und Schumann bei ihrem Rundgang auch sind, zwischendurch bleibt noch Zeit für kleine Schwätzchen – auch Polizisten treffen auf Lolls Bekannte. Ganz praktische Hilfe leisten die Beamten im Kirmestrubel ebenfalls gerne. Zwei Männer wollen wissen, wo denn das WC ist. Mohr und Schumann weisen den Weg. „Geil, wir haben die Toilette gefunden“, danken es die suchenden Herren.

Verdient machten sich die Lolls-Polizisten auch, als am Nachmittag ein vierjähriger Junge seine Eltern vermisste, obwohl der weinende Knirps sich anfangs „nicht kooperativ mit der Polizei zeigte“ und seinen Namen nicht nennen wollte. Schließlich konnten Eltern und Kind auf dem Rummel aber wieder zusammengeführt werden.

Es gibt auf Lolls eben nichts, was es nicht gibt.

Von Nadine Maaz

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