250 Dinge, die wir an der Region mögen (36): Das Rote Schloss in Wehrda

Ein Adelssitz im Wandel

Das Rote Schloss in Wehrda ist heute der Wohnsitz der Familie von Campenhausen. Foto:  Miehe

Wehrda, ein Ortsteil von Haunetal, ist ein Dorf mit einer langen bewegten Geschichte – mit drei Schlössern, einer Wehrkirche, einem alten Lindenplatz und vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern zählt es zu den schönsten Dörfern unserer Region.

Das älteste noch gut erhaltene Gebäude ist das Rote Schloss. Vorhandene Kellergewölbe gehen laut Aussage eines Archäologen auf das 12. Jahrhundert zurück. Im sumpfigen Gelände hatte man die Grundmauern auf Eichenbalken, die in den Sumpf gerammt worden waren, gesetzt. Vermutlich war das Gebäude anfangs mit umgebenden Wassergräben gesichert.

Mehrfach umgebaut

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Rote Schloss mehrfach umgebaut. Die Jahreszahl 1668 im Gebälk weist wohl auf eine eingreifende Erneuerung nach dem Dreißigjährigen Krieg hin. In dieser Zeit mag das zweite Geschoss im Barockstil um- oder ausgebaut worden sein.

Das Rote Schloss war über Jahrhunderte der Wohnsitz der Adeligen von Trubenbach, seit dem 18. Jahrhundert von Trümbach genannt. 1905 starb die Familie von Trümbach im Mannesstamm aus. Schon zwei Generationen zuvor hatte Jeanette von Trümbach einen Freiherrn von Stein zu Nord- und Ostheim geheiratet. Da die beiden männlichen Nachkommen derer von Stein im Ersten Weltkrieg gefallen waren, rangierte dann Tochter Gudrun in der Erbfolge. Diese heiratete schließlich Oskar von Campenhausen aus dem Baltikum; ihre Nachkommen sind die heutigen Adeligen von Wehrda.

Während dem Sohn Ulrich Freiherr von Campenhausen das barocke gelbe Schloss zugesprochen wurde, bekam Sohn Johannes das Rote Schloss. Seit 1975 bewohnt er mit seiner Frau Almuth das altehrwürdige Gebäude. In jahrzehntelanger mühevoller und kostenträchtiger Restauration haben sie das Rote Schloss für ihre Bedürfnisse umgestaltet.

Landjahrlager und Lazarett

Über Jahrzehnte hatte der Bau eine Fremdnutzung mit diversen Umbaumaßnahmen erfahren. Seit Mitte der Dreißigerjahre war es Landjahrlager, in dem junge Mädchen aus der Stadt jeweils für ein Jahr eine Gemeinschaftsunterkunft fanden und an das Landleben mit Arbeit auf Bauernhöfen herangeführt werden sollten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war das Rote Schloss zum Lazarett umfunktioniert worden. Nach dem Krieg wurde die heute im Eichhof untergebrachte Grünlandversuchsanstalt auf dem Gelände des Roten Schlosses eingerichtet. Für einige Jahre beheimatete das Rote Schloss dann Vertriebene und später eine Missionsgesellschaft.

Johannes und Almuth von Campenhausen haben das geschichtsträchtige Gebäude nach alten Vorgaben mit viel Feingefühl wiederhergestellt und für die heutige Nutzung instand gesetzt und somit ein altes Kulturdenkmal Wehrdas für die Nachwelt erhalten.

Von Brunhilde Miehe

Kommentare