HZ-Porträt: Standesbeamter Reinhard E. Matthäi geht in den Ruhestand

Ade, Scheiden tut weh

Der Standesbeamte in seinem Element: Reinhard E. Matthäi am Trautisch. Foto: Hempel

Bad Hersfeld. Auf keinen Fall will er in der Fußgängerzone stehen und über Krankheiten reden. So stellt sich Reinhard E. Matthäi seinen Ruhestand nicht vor. Das Bad Hersfelder Original geht in Rente. Nach 13 Jahren als Standesbeamter und 47 Jahren, in denen er in den öffentlichen Dienststuben gesessen hat. Aber ein Stubenhocker war er nie und will er auch jetzt nicht werden.

„Ich bin mit Leib und Seele Beamter“, sagt Matthäi, der wie üblich Fliege trägt. „Man kann anderen Menschen helfen, sich Recht zu verschaffen.“ Recht und Verwaltungsregeln, das habe ihn immer interessiert, etwas anderes habe er nie machen wollen.

1948 in Bad Hersfeld geboren und in der Dudenstraße aufgewachsen, fand Matthäi früh zu seiner Bestimmung. Im April 1964 begann er mit 16 eine Lehre im öffentlichen Dienst. Was folgte, war eine Karriere quer durch den Bad Hersfelder Verwaltungsapparat. Ob Passstelle, Einwohnermeldeamt oder Bauamt: „Es gibt eigentlich keine Stelle, die ich nicht gemacht habe“, überlegt er. „Aber am liebsten war ich im Standesamt“, gesteht der 63-Jährige. „Das Sahnehäubchen dieser Arbeit sind die Eheschließungen.“

„Ich bin mit Leib und Seele Beamter.“

Reinhard E. Matthäi, Standesbeamter

1336 Paare haben die nie nachlassende Innigkeit und Hingabe kennengelernt, mit der Matthäi eine Trauung ausschmückt. Von der Blumendeko bis zur Musik, nichts überlässt er dem Zufall. Auch eine Kamera hat er angeschafft, und einen tragbaren Fotodrucker. „Ich habe bei jeder Trauung ein Foto als Erinnerung für das Paar gemacht.“ Das Folgeverhalten einer Panne, die immer noch nachwirkt: Als Matthäi und seine Frau 1972 heirateten, hatte der Fotograf den Film falsch eingelegt. Von seiner eigenen Hochzeit hat der Standesbeamte nicht ein Bild. Gehalten hat die Ehe, aus der ein Sohn entstanden ist, trotzdem. Matthäi weiß auch, warum: „Das Wichtigste ist, dass man miteinander redet, auch wenn es mal schwerfällt. Reden und Zuhören – das ist die halbe Miete.“

Kennengelernt haben sich Matthäi und seine Frau in der Jugendmusikgruppe. Sie spielte Zither, er Akkordeon. „Irgendwann habe ich sie zu einem Rotkreuz-Ball eingeladen, ganz feierlich mit Rose.“

Das Rote Kreuz ist Matthäis andere Leidenschaft. Im nächsten Jahr werden es 50 Jahre, in denen er sich für den Wohlfahrtsverband engagiert. Sein Einsatz hat ihm den Ehrenbrief des Landes Hessen eingebracht.

„Ich habe das mit der Muttermilch aufgesogen“, meint Matthäi. Sein Großvater fuhr Krankenwagen, sein Vater war im Krieg als Sanitäter an der Front. „Als Kind habe ich bei Übungen gerne als Verletztendarsteller mitgespielt, das hat viel Spaß gemacht“, erinnert sich der angehende Rentner. Heute managt er beim Katastrophenschutz mit.

Seinen Ruhestand will Matthäi nutzen, um beim DRK noch mehr einzusteigen. „Ich will vor allem Verbreitungsarbeit machen, Vorträge halten, also das Bewusstsein für die Rotkreuz-Bewegung schärfen.“

Nur den Schlüssel für die Amtsstuben, den muss er nun abgeben. „Es fällt mir schon schwer, ich kenne hier jeden Nagel, vom Dachboden bis zum Keller.“ Jetzt heißt es, Standesamt ade, Scheiden tut weh. So oder so.

Von Claudia Hempel

Kommentare