Weltweit einmaliges Kompetenzzentrum für Biogasforschung am Landwirtschaftszentrum Eichhof eröffnet

Vom Acker bis zur Steckdose

Mit neuer Energie in die Zukunft: Andreas Sandhäger (Landbetrieb Landwirtschaft), Prof. Dr. Jürgen Schmid (Fraunhofen), die Ministerinnen Eva Kühne-Hörmann (CDU, Wissenschaft) und Lucia Puttrich (CDU, Umwelt), Klaus Reinhardt (Eichhof) und Bernd Krautkremer (Fraunhofer) (von links). Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Wenn gleich zwei Ministerinnen zu einer Einweihung anreisen, dann muss es schon etwas ganz Besonders sein. Das neue Hessische Biogas Forschungszentrum – kurz HBFZ – ist mit seinen an einem Standort gebündelten Kompetenzen sogar einmalig – und zwar weltweit. Gestern wurde es unter großem Medieninteresse eröffnet.

„Hier spürt man, dass etwas einen guten Anfang findet“, erklärte Umweltministerin Lucia Puttrich und verwies auf den „politisch hochaktuellen Zeitpunkt“ der Eröffnung. Denn nach dem Atomausstieg ist die regenerative Energie der Schlüssel zu Zukunft. Sie freute sich, dass am Standort Eichhof die „Kompetenz vom Acker bis zur Steckdose“ vorhanden sei, um die Bioenergie noch weiter zu verbessern.

Energie für die ganze Welt

In einem Fachvortrag machte Prof. Dr. Jürgen Schmid vom Fraunhofer-Institut deutlich, welche Möglichkeiten die Bioenergie biete. Zurzeit würde dieses Potenzial weltweit noch vornehmlich zum Kochen und Heizen mit Holz genutzt. Dabei könnten die regenerativen Energien bis zum Jahr 2030 den Energiebedarf der ganzen Welt decken, erklärte der Professor an Hand von Diagrammen und Statistiken. Er betonte aber auch, dass die Bioenergie Gefahren berge und in manchen Irrweg führe. Damit sprach er zum Beispiel die Konkurrenz zwischen Anbauflächen für die Welternährung und die Energieproduktion an und erteilte in diesem Zusammenhang Biosprit eine klare Absage. „Deshalb ist das Forschungsprojekt am Eichhof auch so enorm wichtig, für die Energieversorgung der Welt.“

Die gute Zusammenarbeit am Standort Bad Hersfeld betonte Bernd Krautkremer vom Fraunhofer-Institut IWES, dass gemeinsam mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft das Projekt unterhält. „Wir haben hier ganz schön geschraubt, gedreht und geschmiedet, und all das funktioniert nur, weil alle gut zusammenarbeiten“, lobte er die Atmosphäre am Eichhof. Krautkremer machte aber auch, deutlich, wie wichtig es ist, die Bevölkerung einzubinden, was angesichts von jährlich 6000 Besuchern am Eichhof gut gelinge. „Biogas hat auch noch ein Akzeptanzproblem“, sagte Krautkremer und plädierte dafür, die Landwirte mit dieser Technologie nicht allein zu lassen.

Für Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann ist das Kompetenzzentrum auch ein Beleg für die „Forschungsfreundlichkeit in Hessen, das das einzige Bundesland sei, das eigene Mittel in die Forschung investiere – in den nächsten zehn Jahren rund 140 Millionen Euro. Auch das Forschungsprojekt am Eichhof ist nur durch die Förderung aus dem Konjunkturprogramm in Höhe von rund zwei Millionen Euro möglich geworden.

Trotz aller Freude hatte die Ministerin aber auch Kritik: Sie wünsche sich einen etwas innovativeren Namen für das Forschungszentrum als HBFZ, sagte sie. – Bei soviel geballter Kompetenz sollte sich das wohl machen lassen.

Von Kai A. Struthoff

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