Achtung, Schauspieler!

Karl Schönholtz, Kai A. Struthoff,Judith Strecker und Sonja Broy über die Premiere

Dreimal ist Bremer Recht, hieß es in meiner alten Heimat. Und so kann ich meine inzwischen dritten Festspiele jetzt auch erst so recht genießen, denn man kann vergleichen. Vor allem der Festakt hat mir diesmal gut gefallen, diese Mischung aus Show und Staatstragendem hat gestimmt. Jörn Rüsens Festansprache bot ordentlich Hirnfutter, und Bürgermeister Boehmer hat sich mit einer großen Rede von der Festspielbühne verabschiedet. Nur das Wetter fiel mal wieder aus der Rolle. Angesichts dieser Unbilden, die auch die Proben erschwert und verzögert haben, ist es erstaunlich, wie Holk Freytag die Kurve gekriegt hat. Bei der Fotoprobe am Dienstag hatte es noch mächtig gerumpelt. Die Erfahrung des alten Theaterhasen, der trotz Lampenfiebers die Nerven behält, hat sich ausgezahlt. Chapeau!

Kai A. Struthoff

Achtung, Abstand! Wilder Schauspieler im Anmarsch! Das dachten sich die Gäste der Premierenfeier in der Stadthalle. Die Darsteller aus Wilhelm Tell trugen nämlich Aufkleber in Form des „Vorfahrt beachten“- Verkehrsschildes auf der Brust. Wo sich sonst nur Weißraum befindet, war das Piktogramm eines Menschen zu sehen. Mit einem Apfel anstelle eines Kopfes, durchbohrt von einem Pfeil. Und das, obwohl Tell-Darsteller Markus Gertken doch seine Armbrust in der Ruine gelassen und sich dank Pyrotechnik ohnehin als treffsicherer Schütze erwiesen hatte! Angst um sein Haupt musste also niemand haben und wild um sich gebissen wurde auch zu später Stunde nicht. Sonja Broy

Zur „Tell“-Aufführung war ich nicht das erste Mal in der Stiftsruine, aber eine Premiere war auch für mich Premiere. Entsprechend ratlos kämmte ich mich durch den heimischen Kleiderschrank und stöckelte dann voller Euphorie in Richtung Stiftsruine, sodass mir nicht einmal die kalten Regentropfen das Lächeln wegwischen konnten. Und während meine Begleiter schon jahrzehntelang zu den Festspielen gehen und bei den Fanfarenklängen recht abgeklärt die Stufen zu den Rängen hinaufstiefelten, musste ich mich zusammenreißen, um nicht zu hüpfen und lauthals zu lachen.

Beeindruckt wurde ich von Schauspielern, die es allein schon durch ihre Stimme schaffen, dass den Zuschauern warm wird, obwohl sie eigentlich vor Kälte zittern müssten. Und alle, die erst bibberten, freuten sich schon eine Stunde später über die eisige Kalorienbombe bei der Premierenparty. Voller neuer Eindrücke brenne ich auf alles, was da noch kommt.

Judith Strecker

Premiere vor der Premiere, das galt am Samstag für Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, der zum ersten Mal das tat, was sonst hochrangigen Gästen vorbehalten blieb: er eröffnete die Festspiele. Ein historischer Moment, wenn man so will. Ein weiterer wäre die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag gewesen. Boehmers letzte, bevor der „ewige Bürgermeister“ Ende August in den Ruhestand geht. Doch dieser historische Moment ist schon vorbei. Boehmer hat sich für die Sitzung abgemeldet, seine letzte Sitzung war die im April. Und keiner hat’s gemerkt.

Karl Schönholtz

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