Maddalena Noemi Hirschal erzählte in der Konfirmandenstunde über Anne Frank

Acht Stühle, acht Menschen

Im Gespräch: Die Schauspielerin Maddalena Noemi Hirschal (links) erzählte in der Konfirmandenstunde über ihre Rolle als Anne Frank. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Als Maddalena Noemi Hirschal vierzehn Jahre alt war, las sie zum ersten Mal das „Tagebuch der Anne Frank“. Fast so alt war das jüdische Mädchen, das in diesem Buch seine intimsten Wünsche und Ängste niederschrieb. Und so alt waren auch die Jugendlichen, die im Rahmen ihres Konfirmandenunterrichts in der Martinskirche die Schauspielerin Hirschal kennenlernten und neugierig befragten.

Hirschal spielt in diesem Jahr wieder in der von ihr und Holk Freytag bearbeiteten Fassung von „Anne Franks Tagebuch“ als einzige Akteurin auf der Bühne in der Martinskirche die Titelrolle. Einige aus der Konfirmandengruppe hatten Hirschal bereits in einer Aufführung gesehen, manche kannten auch das Buch. So ergaben sich viele Fragen an die Schauspielerin, die zugab, „dass mich die Geschichte dieses jüdischen Mädchens nie mehr losgelassen hat“.Damals mit vierzehn Jahren konnte sie alles noch nicht begreifen, mit siebzehn Jahren las sie das Buch nochmals. Das Aufschreiben ihrer Gedanken war Hirschal nicht befremdlich, schon von Kindheitstagen an führt sie selbst ein Tagebuch. „Man hat nur immer Stress, ein solches Buch zu bewachen“, erzählte sie.

Als Hirschal am Ende ihres Schauspielstudiums in Graz ein Thema für ihre Abschlussarbeit suchte, fiel ihr das Buch von Anne Frank wieder ein. Hieraufhin folgte eine intensive Beschäftigung mit dem Leben des Mädchens, wozu auch ein Besuch im „Anne Frank-Haus“ in Amsterdam gehörte.

Natürlich habe sie Bedenken gehabt, die intimsten Gedanken eines Mädchens auf die Bühne zu bringen: „Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, wie dies am besten geschehen soll, damit ich ihr da oben im Himmel nicht unsympathisch bin.“ Auf jeden Fall kam Hirschal sehr sympathisch bei den Jugendlichen an, die ihr großes Lob für ihre Rolle aussprachen. „Sich so viel Text zu merken, um ein fast zweistündiges Solo-Programm zu bringen, ist doch sehr schwer“, fragte eine Zuhörerin. Sie hätte einen Monat lang etwa sechs Stunden täglich den Text gelernt, erzählte ihr Hirschal.

Am Ende des Besuchs folgte ein gemeinsamer Gang in den Kircheninnenraum, wo die Konfirmanden und Konfirmandinnen zusammen mit der Darstellerin die etwa neun Quadratmeter breite Metallkonstruktion, die den Unterschlupf von Franks Familie darstellt, erklommen. Acht Stühle sind neben einem Koffer und dem Tagebuch die einzigen Requisiten.

Auf die Frage, was die vielen Stühle bedeuten, antwortete Hirschal, dass jeder Person, die mit Anne Frank zusammen in dem Versteck war, ein Stuhl zugeordnet sei. So werden die Stühle für Hirschal zu spielerischen Gegenüber, mit denen sie sich anstatt mit Personen unterhält.

Von Vera Hettenhausen

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