Gastronomie zieht zum 30. September aus „wortreich“ aus – Stadt will Konzept überprüfen

Abschied vom Konrads

Nach gut zweieinhalb Jahren ist Schluss im Schilde-Park: Das Konrads im „wortreich“ hat bis Ende September nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Nicht nur die Schirme und die Strandkörbe vor dem Konrads im Mitmach-Museum „wortreich“ sind seit kurzem geschlossen, auch die Türen werden nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet. Das Restaurant und Café schließt zum 30. September.

Leicht fällt den Betreibern Heike und Frank Bücking der Abschied nicht. „Wir haben es gerne gemacht und viel Geld, Freude und Herzblut in das Konrads gesteckt“, so Heike Bücking auf Nachfrage. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, erklären die Pächter.

Hintergrund für das Aus sind in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Es machen aber auch Gerüchte die Runde, dass die Zusammenarbeit mit dem „wortreich“ nicht ganz so gut funktioniert habe.

„Wir dachten, dass das Konrads besser angenommen wird“, sagt Heike Bücking. Für Familienfeiern oder andere Veranstaltungen sei das Bistro zwar gut gebucht worden, jedoch habe es an Laufkundschaft gefehlt. „Dafür waren wir einfach zu weit ab vom Schuss“, meint Heike Bücking.

Wenig "wortreich"-Gäste

Auch hätten immer wieder Kunden bemängelt, dass es keine kostenfreien Parkplätze direkt vor der Lokalität gibt. Über das „wortreich“ hätten ebenfalls zu wenig Gäste den Weg ins Konrads gefunden. Einen Großteil der Besucher machen Schulklassen aus, die sich allerdings häufig mit mitgebrachten Butterbroten versorgen, so Bücking. Hinzu komme, dass das „wortreich“ seit einiger Zeit selbst Eis und Getränke anbiete.

Bei den „enormen Kosten“ habe sich der Betrieb des Konrads als „Nebenschauplatz“ schließlich einfach nicht rentiert. Das Hauptgeschäft der Bückings mit Sitz in Bad Hersfeld ist das Catering. Aktuell „verpflegen“ Bückings auch die Festspiel-Gäste im Stiftspark. Die Mitarbeiter des Konrads werden nun woanders eingeteilt.

Bis zum 30. September hat das Konrads nur noch für Gruppen, Hochzeiten und ähnliche Veranstaltungen geöffnet. Auch Neu-Buchungen dafür sind weiterhin möglich. Das Tagesgeschäft inklusive Mittagstisch entfällt. Nach der organisatorischen Trennung vom „wortreich“ hatte das Konrads zum 1. März 2013 unter Regie von Heike und Frank Bücking wiedereröffnet.

Verpächter der Räumlichkeiten sind die städtischen Wirtschaftsbetriebe als Eigentümer der Immobilie. Über die weitere Nutzung wird laut Stadtsprecher Meik Ebert bereits nachgedacht. Auch gebe es potentielle Interessenten.

Es stelle sich etwa die Frage, ob Gastronomie im Konrads überhaupt funktioniere. Eventuell könnte die Fläche auch für Tagungen genutzt werden. Die Geschäftsführung der Wirtschaftsbetriebe und eine Arbeitsgruppe sollen laut Ebert gemeinsam mit der „wortreich“-Geschäftsführung ein Konzept erarbeiten.

Für den erneut leerstehenden Ratskeller sollen in diesem Zusammenhang ebenfalls Ideen gesammelt werden. Von Nadine Maaz

Das sagt "wortreich"-Geschäftsführerin Karina Gutzeit zum Thema:

„Es ist sehr gut, wenn Einrichtungen wie das ‘wortreich’ ihren Kunden auch gastronomische Angebote bieten, allerdings erfahre ich in vielen Gesprächen mit Kollegen aus anderen Erlebnis-Einrichtungen in Deutschland, dass sich Gastronomie oftmals schwierig gestaltet. Grundsätzlich sind die räumlichen Voraussetzungen des Konrads hervorragend geeignet für Gastronomie. Mit 60 Sitzplätzen im Innenbereich, Theke und eigener Küche, ist das Konrads auch für Veranstaltungen eine tolle Location. Hier ist alles auf dem neusten Stand der Technik. Dazu direkter Zugang zum Schilde-Park, der auch immer mehr an Leben gewinnt. Sicherlich kann ein Gastronom von der Nähe zum ‘wortreich’ profitieren, aber Konzepte sollten immer losgelöst voneinander funktionieren und nie eine Abhängigkeit voraussetzen. Die Anfragen nach Veranstaltungen und Seminaren im ‘wortreich’ steigen und somit auch die Nachfrage nach Catering. Das ist letztendlich auch die Zielgruppe, an denen ein Gastronom mitverdienen kann. Die Ausrichtung auf Schülergruppen gestaltet sich schwierig, da Schüler sich in der Regel ihr Essen mitbringen.“

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