Atomstrom: BUND-Vorsitzender für sofortigen Ausstieg aus der Kernkraft

Abschalten ist möglich

Stiller Protest: Masako Hashimoto, eine Betroffene der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, Professor Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, und Akiko Yoshida von der Organisation Freunde der Erde Japan (von links) hocken auf einem weißen Laken gegen Atomkraft, das von allen Delegierten unterzeichnet wurde.

Bad Hersfeld. Die 130 Delegierten des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) waren übers Wochenende zu ihrer Jahresversammlung nach Bad Hersfeld gekommen. Im Hotel am Kurpark diskutierten die Teilnehmer in erster Linie über den politisch angekündigten Atomausstieg Deutschlands im Jahre 2022.

Der Bundesvorsitzende, Professor Hubert Weiger, wertete dies als einen ersten großen, aber noch lange nicht ausreichenden Erfolg. Seiner Meinung nach wäre es möglich, bereits im Jahre 2013 die noch neun am Netz befindlichen Reaktoren abzuschalten.

„Allein auf vier Reaktoren könnten wir verzichten, wenn in allen Haushalten auf den Standby-Betrieb von Elektrogeräten verzichtet würde und wenn alle Zentralheizungen mit sparsamen Pumpen der neuesten Generation ausgerüstet würden“, erklärte er. Die Kosten für die Umrüstung hätten sich innerhalb kürzester Zeit amortisiert.

Staat hat kein Interesse

Wenn dann noch die für die kommenden anderthalb Jahre in Süddeutschland geplanten bis zu 3000 Windkraftanlagen errichtet würden, benötigte Deutschland keinen Strom mehr aus Atomkraftwerken. Doch der Staat habe daran kein Interesse. „Wenn die 21 Millionen Haushalte in Deutschland den jährlichen Stromverbrauch um zehn Milliarden Euro reduzieren würden, wäre dies mit Blick auf fehlende Mehrwertsteuereinnahmen nicht im Sinne der Bundespolitik“, sagte Weiger.

Dass ein rascher Atomausstieg möglich sei, habe die Reaktorkatastrophe von Fukushima gezeigt. „In Japan sind heute nur noch elf von 54 Reaktoren am Netz. Und es hat sich an der Versorgung der Menschen nichts geändert“, berichtete er weiter.

Extra zum Thema hatte sich der BUND mit Masako Hashimoto und Akiko Yoshida zwei Frauen aus Japan eingeladen. Masako Hashimoto kommt aus der Region Fukushima und musste mit ihrem Kind aus dem neu errichteten Haus wegziehen – ohne Entschädigung. „Das wäre bei uns nicht anders. Denn wenn der Staat Entschädigungen an die Betroffenen zahlen wollte, wäre sofort der Staatsbankrott da“, rechnete Weiger vor.

Viel schlimmer als der finanzielle Ruin seien aber die gesundheitlichen Risiken und Spätfolgen. So träfe die Erbgutschädigung Menschen, die heute noch gar nicht geboren seien.

Grenzwerte korrigiert

Ebenfalls vor Ort war Akiko Yoshida von der japanischen Partnerorganisation des BUND. Sie wusste zu berichten, dass in Japan von der Politik Grenzwerte einfach nach oben korrigiert würden, um sich so vor Regressansprüchen zu schützen. Das alles sei schlimmer als 1986 bei der Katastrophe von Tschernobyl. In der damaligen Sowjetunion mit ihren riesigen Flächen sei zumindest die Umsiedlung Betroffener geräuschloser vonstatten gegangen.  Weiterer Artikel

Von Mario Reymond

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