Dr. Eckhard Wilbrandt aus Heringen über die Gefahren bei erhöhten Cholesterinwerten

Ablagerungen in den Gefäßen

Technische Hilfe: Dr. Eckhard Wilbrandt mit einem Gerät zur Blutreinigung. Damit wird das Blutfett des Patienten ausgewaschen. Foto: Reymond

Heringen. Gefäßleiden in Zusammenhang mit einer Fettstoffwechselstörung bezeichnet der Heringer Facharzt für Nephrologie und innere Medizin, Dr. Eckhard Wilbrandt, als Geißel der Menschheit. Hohe Cholesterinwerte gefährden Gefäße, Herz und Gehirn. „Das Problem bei einer Fettstoffwechselstörung ist, dass diese oft erst erkannt wird, wenn ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten hat“, merkt der Mediziner an.

Herzinfarkt und Schlaganfall haben gemeinsam als Ursache oft die Atherosklerose. Leider wird diese aber in den Erhebungen des statistischen Bundesamtes nicht zusammen erfasst. Etwa 30 Prozent der Todesfälle ließen sich als Folge der Atherosklerose herleiten.

LDL-Cholesterin gefährlich

Bedeutsamer für die Verstärkung der Ablagerungen in den Gefäßen ist das LDL-Cholesterin, welches den Transport des Cholesterins als „Energieträger“ zum Gefäß organisiert. Ein Rücktransport ist aber nicht möglich. Das HDL-Cholesterin transportiert in Richtung Leber (Recycling und Gallensäurenproduktion). Dr. Wilbrandt warnt aber davor, hier von gutem Cholesterin zu sprechen, weil z.B. bei Nierenfunktionsstörungen gerade das HDL Cholesterin „radikalisiert“ wird und die Gefäßveränderungen deutlich beschleunigt.

Die Initialzündung der Gefäßveränderung mit Gefäßwandverdickung, Entzündung und Einbindung von Cholesterin in die Gefäßwand wird begünstigt durch das Alter, Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen. Ist der Schutzmechanismus der Gefäßwand durchbrochen, ist die Höhe des LDL Cholesterins für das Tempo der weiteren Ablagerung verantwortlich.

Die Entwicklung der Atherosklerose ist kein normaler Alterungsprozess. Lediglich die Verdickung der Gefäßwände ist vom Alter abhängig. Atherosklerose kann also alle Menschen betreffen. So gibt es alte Menschen ohne und junge Menschen – selbst Kinder – mit Atherosklerose.

In Abhängigkeit der genannten Risiken ist ein niedriger LDL-Wert günstig. Der Normwert liegt unter 150 Milligramm pro Deziliter Blut bei gesunden Menschen. HDL kann durch körperliche Bewegung und auch geringen Alkoholkonsum angehoben werden, LDL kann dagegen meist auch durch intensive Diäten nicht mehr als fünf bis zehn Prozent abgesenkt werden, weil die Produktion von LDL-Cholesterin in der Leber angeboren ist und mit 750-2400 mg/Tag drei- bis achtmal höher ist, als die Menge des Cholesterins, die täglich aus der Nahrung aufgenommen wird.

Bei einer genetisch bedingten Fettstoffwechselstörung trage eine gesunde Ernährung prozentual also wenig zur Senkung bei, ist aber wichtiger Bestandteil der Therapie.

Menschen, die genetisch vorbelastet sind und bereits eine Vorerkrankung wie Herz- oder Schlaganfall erlitten haben, können auf eine Blutwäsche (Lipidapherese) hoffen. Dieses teure Verfahren bedarf einer komplizierten Beantragung und Begutachtung und wird in Hessen wohl aus unterschiedlichsten Gründen selten genehmigt.

Der Patient müsste einmal pro Woche zur Blutwäsche und eine Sitzung kostet etwa 1000 Euro. Im medizinischen Zentrum von Dr. Wilbrandt in Heringen bekommen aktuell zwei Patienten diese besondere Behandlung.

In den meisten Fällen ist jedoch eine medikamentöse Therapie ausreichend. Der LDL-Wert lässt sich durch die Kombination spezieller Präparate – falls erforderlich – um fast 80 Prozent absenken.

„Weitere Medikamente sind derzeit in der Erprobungsphase (Studien) und versprechen ebenfalls gute Absenkungsraten über neue Wirkmechanismen“, merkt der Mediziner an.

Von Mario Reymond

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