Streit um 380 kV-Leitung von Wahle nach Mecklar geht weiter

Abfluss für den Stromstau im Norden

Hersfeld-Rotenburg. Gehen bei uns die Lichter aus, wenn die umstrittene Stromautobahn von Wahle nach Mecklar nicht gebaut wird?

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) spricht deutliche Worte: „Ohne Stromautobahn kein Anschluss von Windstrom aus der Nordsee.“ Die Netze müssten aus- und umgebaut werden, um die Stromversorgung auf Dauer sicher zu machen.

Klaus Rohmund, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) „Keine 380 kV-Freileitung im Werra-Meißner-Kreis“, sieht zumindest kurzfristig keinen Blackout des Netzes kommen. Wahle-Mecklar sei eine innerdeutsche Verstärkung, jedoch EU-weit nicht relevant. Deshalb besitze dieses Projekt nach Einschätzung der Landesplanungsbehörde Niedersachsen nicht die höchste Priorität. Nach bisheriger Planung soll die Starkstromleitung bis 2015 gebaut sein. Ein Neubau bis 2020 wäre laut Rohmund ausreichend. Doch auch er räumt ein: Bei einer weiteren Zunahme der Stromüberschüsse im Norden könne es mittelfristig- und langfristig durchaus zu größeren Engpässen und Netzausfällen kommen.

Rohmund bezieht sich auf Aussagen der Deutschen Energie-Agentur (dena). Sie hatte mit der Netzstudie II 3600 Kilometer neue Netze gefordert.

Der BI-Sprecher, der 810 Mitglieder aus der Region vertritt, sieht Ausweichmöglichkeiten: Stromkapazitäten könnten über andere vorhandene Trassen mit Hochtemperaturseilen transportiert werden, die bis zu einer Temperatur von 160 Grad Celsius geeignet sind. Damit könne man die Menge vervielfachen. Und das wäre eine Alternative zur Trasse Wahle-Mecklar.

In der dena-Netzstudie II ist als Ziel vorgegeben, 39 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere aus Windkraft integrieren zu müssen. Die Studie prüft Varianten zur 380 kV, so auch die Hochtemperaturseile. ZUM TAGE, HINTERGRUND

Von Werner Keller

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