Wochenendporträt: Stefan Zaenker (47) ist Finanzbeamter und Höhlentierforscher

Abenteuer in der Tiefe

Höhlentierforscher Stefan Zaenker beim Sammeln von Proben, die er meist an die Uni Marburg oder Frankfurt weiterleitet. Foto: nh

Bad Hersfeld/Fulda. In Stefan Zaenkers Arbeitszimmer sitzen, hängen und kleben Fledermäuse. Bilder und allerlei kleine Erinnerungsstücke stehen ganz unter dem Motto „Höhlentiere“. Der Grund dafür ist Zaenkers ausgefallenes Hobby: er ist Höhlentierforscher.

Eigentlich ist der in Bad Hersfeld aufgewachsene Zaenker Finanzbeamter. Zum Bürojob ist dieses Hobby eine gelungene Abwechslung. Auch seine Familie hat er angesteckt. Ehefrau und Kinder begleiten ihn häufig auf seine Höhlenexpeditionen. „Wenn die Familie nicht mitzieht, funktioniert sowas nicht.“

Forschergeist

Regelmäßig kriecht der Hobbyforscher, meist in teurer Spezialausrüstung, durch enge Höhlen auf der ganzen Welt. Auch hier im Kreis Hersfeld-Rotenburg liegen einige davon. Dort sammelt er Proben, die er später am heimischen Mikroskop auswertet. Sind sie besonders interessant, gibt er sie weiter an Forscher der Uni Marburg. Am Anfang seiner Tätigkeit habe ihn noch die Abenteuerlust getrieben, die dann aber in Forschergeist umgeschlagen sei.

„Als ich noch ein Kind war, nahm mein Vater mich mit in den Wald“, berichtet der 47-Jährige über seine ersten Begegnungen mit Natur und Tieren. Einige Jahre später besuchte sein Bruder mit einer Jugendgruppe der Kirche eine Höhle, über die in einem Beitrag der HZ aus dem Jahr 1892 berichtet worden war. Mit dem Ausflug zur Höhle war die Begeisterung geweckt und griff vom großen auf den kleinen Bruder über. 1979 wurde dann der Höhlenforscherclub Bad Hersfeld gegründet.

Bisher unentdeckte Dinge

Seither hat Stefan Zaenker immer wieder den Abstieg in Höhlen gewagt und dort schon so einige Tiere entdeckt, die der Wissenschaft noch unbekannt waren. Dabei gibt es vier Kategorien, in die sich die Tiere nach Grund und Häufigkeit ihres Auftretens in Höhlen einordnen lassen. Die interessantesten sind die, die ständig in Höhlen leben. „Viele Tiere sind ganz klein“, erklärt Zaenker. Höhlenflohkrebse zum Beispiel sind vollkommen weiß und ohne Augen, angepasst an ihr Umfeld.

Schauhöhlen für Besucher

Interessierten empfiehlt Zaenker den Besuch einer Schauhöhle, da gewöhnliche Höhlen einige Gefahren bergen. Oft drohen Teile der Höhlen einzustürzen, und geht man dort einmal verschütt, wird man, so Zaenker, so schnell nicht gefunden. Schauhöhlen sind speziell für Besucher hergerichtet, ohne Natur und Tier zu beeinträchtigen.

Die bekanntesten Höhlentiere, die Fledermäuse, von denen allein in Hessen 19 verschiedene Arten bekannt sind, zählt Zaenker jährlich. Gerade ist er wieder in Hessens Höhlen unterwegs und entdeckt dabei sicher noch einige mehr Exemplare, als in seinem Arbeitszimmer hängen.

Von Sabrina Ilona Teufel

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