Frechdachs aus der Bielefelder Bronx begeisterte in Bad Hersfeld

Comedian Abdelkarim trifft die Lachmuskeln im Buchcafé

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Fan: Zur Belohnung gab es für Benedict nach der Show Autogramm, Widmung und Erinnerungsfotos.

Bad Hersfeld. War es nur extrem-lustige Comedy oder doch eher hochpolitisches Kabarett? Darf man in Zeiten ernsthafter Debatten über Flüchtlingsströme eigentlich noch Witze über Migranten und Asylbewerber machen?

Abdelkarim kann beides und sein Programm „Zwischen Ghetto und Germanen“ hat sogar einen „Migrationsvordergrund“. Der 34-jährige hinterließ bei seinem ersten Auftritt im Bad Hersfelder Buchcafé einen überaus sympathischen Eindruck. Und nahezu alle Pointen in seinem zweistündigen Programm – politisch korrekt oder auch mal nicht – zündeten. Insbesondere in diesem Jahr ist er mit Auftritten in „Der Anstalt“, bei Dieter Nuhr, beim „Comedy Tower“ des HR und jüngst auch bei Stefan Raab im Fernsehen megapräsent.

14-jähriger Fan in Reihe eins

Gleich zu Beginn nimmt Abdelkarim Kontakt zum jüngsten Zuschauer auf: Der vierzehnjährige Benedict sitzt zwischen seinen Eltern mittig in Reihe eins. So hat Abdelkarim immer mal wieder einen direkten Ansprechpartner, wenn es um die Themen Jugend, Schule und auch guten Style bei Klamotten geht.

Heute achten die Eltern darauf, dass Ihre Kindern mindestens „H&M“ tragen, für Abdelkarims Kindheit war noch dank seines marokkanischen Vaters „HNN“ der Standard: Hauptsache nicht nackt. Witzig sind auch Geschichten über seinen Kumpel Ali, der sich mangels beruflicher Alternativen zum Pseudo- Gangster entwickelt und Polizisten so lange böse angeguckt, bis diese wegschauen.

Integration in Duisburg

Aus seiner Wahlheimat Duisburg kann er Positives zum Thema Integration berichten. Die Deutschen würden in letzter Zeit ihre Türken viel lieber haben als zuvor. Grund hierfür sei allerdings, dass die Stadt derart von Rumänen überlaufen werde, dass sich die Deutschen nach den Türken zurücksehnten.

Besonders den deutschen Gangster-Rap, die einzige sozialkritische Musikrichtung komplett ohne Sozialkritik, nimmt er gelungen aufs Korn. Auf Bushidos Auszeichnung mit dem Integrations-Bambi der Bunten hingegen ist selbst Abdelkarim neidisch: Mit diesem auch scherzhaft als „Kanake des Jahres“ bezeichneten Preis könnte er selbst bei Verwandten in Marokko angeben.

Der Presse wurde freundlich aber bestimmt empfohlen, ja nichts Schlechtes über den Auftritt zu schreiben, nicht dass man fälschlicherweise noch als Rassist verschrien werde.

Die Veranstaltung war „nur“ fast ausverkauft, da einige Reservierungen nicht abgeholt wurden. Jenen Ferngebliebenen entging ein wirklich sehr unterhaltsamer Abend, manch Zuschauer hatte Tränen in den Augen vor Lachen. Und nach der Show gab’s Autogramme und Selfies mit Abdelkarim im Foyer.

Von Torsten Wiegand

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