Konflikt um geplanten Nahversorger in der Wehneberger Straße in Bad Hersfeld

Abbieger-Spur muss sein

Problematische Lage: Obwohl der Denkmalschutz nur noch für das Fachwerkgebäude in der Bildmitte gilt, gibt es bei den Plänen für ein kleines Einkaufszentrum an der Wehneberger Straße noch viele offene Fragen. Die Schwierigste ist die nach der Zufahrt in die Knottengasse. Hier müsste nach Ansicht der städtischen Bauverwaltung auf dem Stadtring aus Fahrtrichtung Innenstadt (im Bild rechts) eine Linksabbiegerspur geschaffen werden. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Aus der Sicht von Harald Kleinagel liegt es alleine am Unwillen der Stadt Bad Hersfeld, dass die Pläne für ein kleines Einkaufszentrum an der Wehneberger Straße nicht verwirklicht werden können. Umgekehrt sagt Johannes van Horrick, Leiter des städtischen Fachbereichs Technische Verwaltung, dass Grundstückeigentümer Kleinagel noch immer keine überzeugende Lösung für die Verkehrsprobleme aufgezeigt hat, die ein Supermarkt an der Einfahrt der Knottengasse zwangsläufig mit sich bringen würde.

Und deswegen ist das Bauvorhaben, das auch die Beseitigung einer unansehnlichen bis baufälligen Gebäudezeile mit sich bringen würde, auch Monate nach Einreichen des Bauantrages eine Hängepartie.

Kleinagel vertritt eine Erbengemeinschaft, die Eigentümer der ehemaligen Tuchfabrik Rehn ist. Bis 1956 war sie in Betrieb und diente später verschiedenen gewerblichen Zwecken. Zeitweilig ließ Konrad Zuse hier Computer fertigen. Alleine das um 1865 gebaute Produktionsgebäude steht heute noch unter Denkmalschutz.

Eine Frage des Geldes

Dieses Fachwerkhaus wird von den Bauplänen, die ein örtlicher Projektentwickler und Investor betreibt, nicht notwendigerweise berührt. Ob es außen vor bleibt, saniert oder in das Einkaufsmarkt-Konzept integriert wird, das ist im Sanierungsgebiet eine Frage des Geldes und noch nicht entschieden.

Für die zehn weiteren Gebäude des Ensembles gibt es jedoch eine Abrissgenehmigung. Weil es sich hier um ein Mischgebiet handelt, wäre ein Markt vom Bebauungsplan her prinzipiell zulässig.

Die von der Stadt geltend gemachte Verkehrsproblematik sieht Kleinagel als weniger gravierend an, weil es sich bei dem geplanten Geschäft lediglich um einen Nahversorger handele. Ohnehin sei die Knottengasse durch die Fahrzeuge der Diakonie, das Seniorenzentrum und den öffentlichen Parkplatz schon reichlich frequentiert. Seines Wissens, so der Geschäftsmann, habe auch das frühere Amt- für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) keine Einwände gegen eine Zufahrt zu einem Einkaufsmarkt gehabt.

Unfallschwerpunkt

Dem widerspricht Bauverwaltungschef van Horrick: „Das ASV hat klar gesagt, dass auf der Wehneberger Straße eine Linksabbiegerspur aus Richtung Innenstadt gebaut werden muss.“ Die Lage am vielbefahrenen Stadtring und die Nähe zur Kreuzung mit der Meisebacher- und der Dippelstraße machten diese Regelung unabdingbar. Ohnehin sei dieser Bereich mittlerweile ein Unfallschwerpunkt.

Offen und ehrlich

Van Horrick stellt klar, dass man mit dem Investor immer ehrlich und offen gesprochen habe und beschreibt die Problematik so: „Es gibt klare Vorgaben, die aber viel Geld kosten.“ Zum einen ist die Straße erst vor Kurzem neu hergestellt worden, und zum anderen muss geklärt werden, woher im Verlauf der Abbiegespur der Raum für eine zusätzliche Fahrbahn genommen werden soll.

Dennoch könnte jetzt wieder Bewegung in die Hängepartie kommen. Heute treffen sich die Beteiligten zu einem weiteren Gespräch. Da sitzen dann auch die Projektentwickler mit am Tisch, um mit der Stadt eine konstruktive Lösung zu erarbeiten.

Von Karl Schönholtz

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