Der Schwede Petter Bjällö ist Festspiel-Ensemblemitglied und Fan des Song-Contests

Abba vor der Stiftsruine

Heute Abend probt Petter Bjällö einmal nicht auf der Bühne der Stiftsruine: Der Schwede freut sich auf die Übertragung des Song-Contests aus seiner Heimat. Zum ersten Mal wird er die Veranstaltung in Bad Hersfeld verfolgen. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Der traditionelle schwedische Snus gehört einfach dazu. Petter Bjällö sitzt gut gelaunt vor der Bad Hersfelder Festspielkantine, genießt den Ausblick auf die Stiftsruine und platziert ein Tabakbeutelchen der Marke Skruf hinter der Oberlippe. Der Schauspieler, der den Frank Schultz im Musical Show Boat geben wird, pflegt die Bräuche seiner Heimat. Und da ist der Eurovision-Song-Contest natürlich ein Pflichttermin in seinem Kalender.

„Wir Schweden sind verrückt nach dem Song-Contest“, sagt der 38-Jährige, der vor 13 Jahren nach Deutschland gekommen ist. Eigentlich stammt er aus dem südschwedischen Städtchen Viken, das nur etwa eine Stunde Fahrzeit vom diesjährigen Austragungsort in Malmö entfernt liegt. Zum ersten Mal wird Bjällö die Übertragung in diesem Jahr aus Bad Hersfeld verfolgen. „Als ich vor zehn Tagen hier ankam, habe ich mich sofort an Schweden erinnert gefühlt“, schwärmt der Sänger. „Die Fachwerkhäuser, dazu die blühenden Magnolienbäume – alles fast wie zuhause.“

Song Contest vor der Kantine

Nach einem weiteren Beutelchen Skruf und einer Exkursion über die schwedische Fischdelikatesse Surströmming, die bei keiner skandinavischen Song-Contest-Party fehlen dürfe, ist Petter Bjällö voll in seinem Element. Zur Freude der Passanten gibt er den Abba-Hit „Waterloo“ im schwedischen Original zum Besten. „Eigentlich ist der Text relativ nichtssagend“, erklärt Bjällö. „Aber den Zauber eines Beitrags macht das Zusammenspiel von Ton, Licht und Schauspiel aus. Das Lied muss einfach eine Geschichte erzählen.“

Die hitzige Debatte um die Qualität des deutschen Beitrags von Cascada hält er daher für überflüssig. „Hätte Loreen ihren Siegersong im letzten Jahr trivial anstatt mystisch präsentiert, hätte sie sicher nicht gewonnen.“ Und schließlich solle der Contest in erster Linie unterhalten und die Länder Europas friedlich zusammenbringen. „Vielleicht versteifen sich die Deutschen etwas zu sehr auf den Wettbewerbsaspekt“, vermutet Bjällö. „In Schweden kann dagegen auch ein abgeschlagener Titel noch die Nummer eins der Charts werden.“

Fähnchen schwenken

Auf den heutigen Song Contest ist der Musicalsänger bestens vorbereitet. Im Vorfeld hat er sich alle Beiträge angehört und wagt sogar eine Prognose: „Ich glaube, dass entweder Holland oder Dänemark siegen wird“. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Festspiel-Produktion will er sich die Übertragung ansehen. Wo, verrät er allerdings noch nicht. Aber er wird unschwer zu erkennen sein, denn „die Fähnchen sind schon bereitgelegt“. Blau-gelbe, versteht sich. Für Schweden.

Von Emily Spanel

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