Verdi legt Ergebnis der Urabstimmung vor

97,6 Prozent sind für Streik bei Amazon

Bad Hersfeld. 97,6 Prozent der Verdi-Mitglieder, die sich an den beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld an der Urabstimmung beteiligt haben, sind für Streik. Das gab die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft am Sonntag bekannt.

Die Beschäftigten waren in der vergangenen Woche aufgerufen worden, ihre Bereitschaft zum Arbeitskampf zu signalisieren. An der Abstimmung hätten sich 78 Prozent der Verdi-Mitglieder beteiligt, heißt es.

„Mit diesem eindeutigen Votum aus der Urabstimmung werden Streiks bei Amazon in Bad Hersfeld immer wahrscheinlicher“, sagt Verdi-Verhandlungsführer und Landesfachbereichsleiter Bernhard Schiederig.

„Die Stimmung bei den Mitgliedern war außerordentlich gut“, berichtete die für Amazon in Bad Hersfeld zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Es gebe eine große Erwartungshaltung in der Belegschaft, dass es jetzt „endlich losgehen muss“.

Laut Schiederig sollte die Geschäftsführung von Amazon das Ergebnis der Urabstimmung ernst nehmen und die Tarifverhandlungen zum Abschluss eines Anerkennungstarifvertrages für die Branche des Einzel- und Versandhandels aufnehmen. „Wenn die Geschäftsführung auch diese Zeichen nicht verstehen will, sind Streiks in absehbarer Zeit nicht mehr zu vermeiden“, stellt Schiederig fest.  Denkbar seien Arbeitsniederlegungen schon im Mai oder Juni.

Der Online-Versandhändler hat die Aufnahme von Tarifverhandlungen bislang abgelehnt, weshalb es auch zur Urabstimmung gekommen war. Verdi fordert tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind, Amazon orientiert sich an der Logistikbranche.

„Wir wollen die Einkommen spürbar verbessern und tariflich abgesicherte Arbeitsbedingungen durchsetzen“, so Schiederig, und meint damit auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Bisher gibt es an keinem deutschen Standort eine Tarifbindung. Bei Amazon war am Sonntag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Von Nadine Maaz

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