Gatte war gar nicht so krank

71-jährige Hersfelderin bekommt Bewährung wegen Betruges

Bad Hersfeld. Das Amtsgericht Bad Hersfeld hat eine 71 Jahre alte Hersfelderin zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten und 200 Euro Geldauflage verurteilt. Sie hatte ihrem Mann geholfen, die Pflegeversicherung um über 38.500 Euro zu betrügen.

Mitgefangen, mitgehangen, sagt der Volksmund, wenn einer dabei war, als Unrecht geschah und dann für etwas zur Verantwortung gezogen wird, was eigentlich andere angerichtet haben. So ähnlich war die Situation einer heute 71 Jahre alten Hersfelderin, die nicht ganz freiwillig mitgeholfen hatte, als ihr zwei Jahre älterer Ehemann die Pflegeversicherung hinters Licht geführt hatte.

Aktualisiert um 20.15 Uhr

Dem notorischen Straftäter, dessen Vorstrafenregister eine lange Liste von Kleinkriminalität enthält, war zwar 2004 vom Facharzt eine beginnende Demenz attestiert worden. Doch so schlimm, wie der Hersfelder seinen Zustand beim Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Pflege, Glauben machen wollte, war es um ihn offenbar nicht bestellt. Seine Ehefrau machte der Simulant dabei zur Komplizin.

Während er beim Besuch einer Gutachterin des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen den Hinfälligen mimte, ließ er die Gattin beim Ausmaß der Pflegebedürftigkeit dick auftragen und die erforderlichen Papiere unterschreiben. Dass sich die Frau bei diesem Schauspiel nicht verweigerte, lag wohl nicht nur an beständiger Ebbe in der Haushaltskasse, sondern auch daran, dass der Hausherr gerne laut wurde, wenn es nicht nach seinem Willen lief. Als das Pflegegeld von 410 Euro monatlich einmal bewilligt war, wurde der Fall in der Folgezeit nur noch sporadisch überprüft und das in der Regel nach Aktenlage.

Auf exakt 38.535,01 Euro summierte sich die zu Unrecht ausgezahlte Unterstützung, bis die Geschichte aufflog und die Staatsanwaltschaft ein Verfahren einleitete. Denn der angeblich hilflose Mann, der kaum noch gehen konnte, gefüttert werden musste und Windeln trug, der hatte zwischenzeitlich mehrere Ladendiebstähle begangen, er fuhr Auto und war im Gefängniskrankenhaus durchaus in der Lage, alleine klarzukommen. In einem gesonderten Verfahren wurde er vom Schöffengericht des Amtsgerichts im September vergangenen Jahres wegen Betrugs zu anderthalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. In diesem Prozess hatte seine Ehefrau ihre unrichtigen Angaben wiederholt, weshalb sie sie sich nun auch wegen Falschaussage verantworten musste.

Strafrichterin Silvia Reidt folgte mit ihrem Urteil von zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung für die 71-Jährige dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Außerdem verhängte sie eine Geldauflage von 200 Euro. Verteidigerin Margit Guy, die ihre Mandantin für unschuldig hielt, hatte Freispruch beantragt.

Von Karl Schönholtz

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