Manfred Schuchert veröffentlichte seine Memoiren

25 568 Tage mit Brillis und Nieten

Manfred Schuchert

Bad Hersfeld. Es ist ganz eindeutig ein Trend, aber doch längst noch nichts Alltägliches: ganz normale Menschen von nebenan schreiben und veröffentlichen ihre Memoiren, ihre Lebenserinnerungen. Das macht natürlich auch die moderne Buchkopiertechnik möglich. „Book on Demand“ heißt das, eingedeutscht Buch auf Nachfrage also. Dieser Technik, die schon geringe Buchauflagen im bezahlbaren Rahmen hält, hat sich auch Manfred Schuchert aus Bad Hersfeld bedient. Der gelernte Starkstromelektriker, der beim Bundesgrenzschutz arbeitete und später in der freien Wirtschaft als Führungskraft im Personalwesen arbeitete, gibt sehr weitgehende Einblicke in sein Leben.

Schnell nachgerechnet

Er nennt seine Lebenserinnerungen „25 568 Tage gelebt mit Brillanten und Nieten“. Es ist also schnell nachgerechnet, dass der in Philippsthal geborene und in Bad Hersfeld beheimatete Autor seinen 70. Geburtstag als Zäsur und Ausgangspunkt für einen launigen Blick zurück nutzte. Nun ist das ja so eine Sache mit den Lebensstationen eines nicht so prominenten Menschen, die vielleicht eben doch nicht allesamt eine breitere Öffentlichkeit interessieren. Doch diese Herausforderung hat Schuchert recht amüsant gemeistert.

So stehen seine Kindheitserinnerungen durchaus als Zeitportrait stellvertretend für das Erleben vieler Mitmenschen seiner Generation, was auch für den Versuch zum Erwachsenwerden gilt. Seine sehr spezielle Zeit beim Bundesgrenzschutz wiederum untertitelt Schuchert fast philosophisch mit einem Zitat von Thomas Alfa Edison: „Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“

Und Erfolge hatte der Autor. Eine interessante Zeit war seine Arbeit an der deutschen Botschaft in Moskau, sein Engagement für die Handballjugend ist auch vielen Mitstreitern unvergessen. Seine Familie gab und gibt ihm viel Kraft und Stolz. Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten.

Heftige Auseinandersetzungen etwa erlebte er im Rahmen eines Amtsenthebungsverfahrens der Siemens-Mitarbeiter gegen das damalige Betriebsratsmitglied Hans Ries. Und an zerplatzte Hoffnungen erinnert sich der Autor im Zusammenhang mit der unternehmerischen Herausforderung, eine Medienpostkarte im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Beste Kritiken halfen aber nichts gegen die Macht der Ministerialbeamten beim damaligen gelben Riesen, dem das private Engagement nicht ins Konzept passte oder passen wollte.

Geplatzte Träume

Ein Kapitel handelt von solchen geplatzten Träumen, auch einfühlsam vom Sterben seiner geliebten Frau und von neuen Chancen. Versöhnlich endet das Buch mit einem Spruch von Pestalozzi: „Wer sich freuen kann, der sollte nicht bis morgen warten.“

25 568 Tage gelebt …

www.edition-fischer.com

ISBN 978-3-89950-557-3

15,80 Euro.

Von Markus Pfromm

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