Winterstarre trotz Hochkonjunktur: Am Hochbau sprang die Konjunktur nicht an

2011 wird’s eher happig

Bad Hersfeld. Klaus Stöcker aus Bebra ist nicht nur Kreishandwerksmeister, sondern hauptberuflich Bauunternehmer und Chef einer Vier-Mann-Firma.

Im Jahr eins nach dem Start des staatlich verordneten Auftragssegens gibt sich Stöcker sehr verhalten, wenn man ihn nach den Erfolgen der künstlichen Wirtschaftsförderung befragt. „Der Straßenbau wurde in solch starkem Maße gefördert, dass selbst Unternehmer vor Überförderung und Überforderung gewarnt haben“, erinnert Klaus Stöcker. Beispielsweise beim Land Hessen habe diese Warnungen des Baugewerbes offenbar aber keiner der verantwortlichen Politiker verstanden. So sei es zur Hochzeit der Bauarbeiten im Sommer tatsächlich dazu gekommen, dass es nicht genügend Nachschub beim Material für Schwarzdecken gab. Nur die großen Projekte bekamen genügend Asphalt. Die Firmen, die kleine Ortsstraßen asphaltieren wollten, mussten sich zumindestens hinten anstellen.

Der Markt beim Eigenheimbau dagegen sei völlig zusammengebrochen und liege nach wie vor am Boden.

Zwar würden Schulen, Kindergärten, Gemeinschaftshäuser an- oder umgebaut oder bekämen eine bessere Wärmedämmung. Das helfe jedoch dem klassischen Hochbau wenig. Arbeit gebe es in den kommenden Wochen und Monaten bestimmt noch durch die Folgen des strengen Winters.

Zerstörung macht Arbeit

Die Straßen haben gehörig unter Salz, Frost und Schneepflügen gelitten. Hier lauern Aufträge, denn die Straßenmeistereien können mit Sicherheit nicht alle Schäden in Eigenregie beseitigen.

Vor diesem Hintergrund gehe das heimische Bauhauptgewerbe verhalten optimistisch in das Jahr zwei der Konjunkturprogramme, sagt Klaus Stöcker. „2010 werden wir auf jeden Fall schaffen. In 2011 wird’s happig“, orakelt er,

Dann nämlich laufen die Konjunkturprogramme aus und zudem endet für acht neue Beitrittsländer zur EU die Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit. Weitere osteuropäische Baufirmen würden die Lage auf den deutschen Markt noch verschärfen.

Ohnehin ächzen die Leute vom Bau in unserem Landkreis unter der Konkurrenz aus Thüringen. Auch im 21. Jahr der Deutschen Wiedervereinigung steigern unterschiedliche Tarife bei den Löhnen den Preisdruck aufs heimische Handwerk. Der Verband baugewerblicher Unternehmer in Hessen fordert vor diesem Hintergrund, dass in diesem Jahr die Förderung der Gebäudesanierung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau nicht halbiert werden dürfe. Der Bund plant die bisherige Jahres-Förderung mit 2,2 Milliarden Euro auf 1,1 Milliarden zurückzufahren. Mit Hilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) seien Hausbesitzer und Vermieter bisher dazu ermuntert worden, ihre Häuser mit einer besseren Wärmedämmung vom Keller bis zum Dach zu versehen. Das gab Arbeit für die Bauarbeiter, Dachdecker, Zimmerleute und Ausbaubetriebe und sicherte sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze. Weil in der Bauwirtschaft die Konjunktur erfahrungsgemäß erst später ankommt, werden die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise wohl die Branche in 2011 mit voller Wucht treffen, fürchtet der Verband.

Klaus Stöcker ahnt Parallelen zur Autoindustrie und der Abwrackprämie. Auch dabei sei ein konjunkturelles Strohfeuer mit absehbarem Nachfrageeinbruch entzündet worden.

Von Kurt Hornickel

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