Tankstellen-Kassierer bereicherte sich

20-Jähriger vor Gericht: In die Kasse gelangt und alles verzockt

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Bad Hersfeld. Annähernd 40.000 Euro hat ein junger Mann aus dem westlichen Kreisgebiet bei Sportwetten und an Spielautomaten verzockt - allerdings war es nicht sein Geld.

Der 20-Jährige hatte seinen Job als Kassierer an einer Tankstelle ausgenutzt, um sich in nahezu 600 Fällen mit Beträgen von wenigen Euro bis zu 500 Euro zu bereichern.

Vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld legte der Auszubildende, der sich mittlerweile um Schadenswiedergutmachung bemüht, am Montag nicht nur ein Geständnis ab, sondern entschuldigte sich bei seinem Arbeitgeber und versprach, nach besten Kräften Wiedergutmachtung zu leisten.

 „Ich habe komplett den Überblick verloren,“ räumte der bislang nicht vorbelastete Heranwachsende ein, der nach Schichtende sechs bis acht Stunden in einer Spielhalle verbrachte. Zuvor hatte er sich an seinem Arbeitsplatz die Schwächen des Kassensystems zunutze gemacht. Mittels Stornobuchungen bei Barzahlungen und Umbuchungen auf sein eigenes Konto verschaffte er sich zwischen September 2012 und November des folgenden Jahres einen beträchtlichen Nebenverdienst.

Auf die Schliche kam der Tankstellebetreiber seinem kriminellen Mitarbeiter erst nach aufwendiger Durchsicht der Kassenbelege und längerer Beobachtung. Denn der junge Mann hatte seine eigene Cashkarte mit einer Zigarettenpackung getarnt, die wie zufällig neben der Kasse platziert war. Es dauerte einige Zeit, bis man in der Chefetage nachvollziehen konnte, wie schnell und geschickt der untreue Kassierer vorgegangen war.

Das ergaunerte Geld wanderte nicht zur Gänze in den Schlitz des Spielautomaten oder über das Handy zu den Wettanbietern: Auch ein gebrauchtes Auto und seine Smartphones finanzierte der Azubi auf diese Weise.

Ein Gutachten zur Schuldfähigkeit sah den 20-Jährigen zwar als „pathologischen Spieler“, jedoch keine Hinweise auf eine „seelische Abartigkeit“. Somit sei die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten nicht eingeschränkt gewesen. Der junge Mann sah seine Situation im Übrigen ganz nüchtern: „Ganz aufzuhören ist schwer. Wenn ich heute sage, ich bin kein Spieler mehr, würde ich lügen.“ 

 Das Gericht mit seiner Vorsitzenden Michaela Kilian-Bock erkannte wegen der Vielzahl der Fälle zwar auf eine Jugendstrafe von einem Jahr, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Doch als Auflagen wurden die Schadenwiedergutmachung mit monatlich mindestens 60 Euro und die Bekämpfung der Spielsucht verordnet. Das Urteil wurde im allgemeinen Einverständnis sofort rechtskräftig

(ks)

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