Zur Geschichte der Bad Hersfelder Stadtkirche

1760 schlug Blitz ein

Erbaut wurde unser Kirchturm in verschiedenen Epochen. Die ersten beiden Stockwerke werden auf die Zeit um 1330 datiert, der Turm stand damals noch einige Schritte abseits der Kirche, deren Grundsteine um 1060 gelegt wurden und die erst durch Umbaumaßnahmen um 1350 mit dem Turm verbunden wurde. Durch die Pest verlor Hersfeld in den folgenden Jahren mehr als 3000 Bürger, sodass die verbleibenden Menschen andere Sorgen hatten, als ihren Kirchturm zu vergrößern. Es ging wohl erst um 1505 bis 1520 damit weiter.

Dem zweistöckigen Turmstumpf wurden weitere vier Stockwerke aufgesetzt. Dieser Aufbau wurde durch großzügige Spenden, aber auch Grundschulden der Stadt ermöglicht (von Witwe Johannes von Buchenau, von Hentz Hainer und Eintragungen im Hersfelder Salbuch). Die Wohnung des Türmers lag nun 40 Meter beziehungsweise 222 Stufen über der Stadt.

Inschrift in Türmerwohnung

Einige Historiker nehmen an, dass der Turm auch schon 1350 etwa vier Stockwerke hoch gebaut wurde, da diese eine rötlich braune Sandsteinfärbung aufweisen, während die beiden obersten eher in einem hellgrauen Farbton erscheinen. Als markantes Datum ist eine Inschrift in der Türmerwohnung anzusehen, die auf den August 1584 hinweist, vermutlich Richtfest oder Einweihung.

Das im fünften Stock aufgesetzte und im sechsten Stock offene Maßwerk, durch das der Schall der acht Glocken tönt, ist im spätgotischen Stil gehalten, ebenso die steinerne Brüstung des umlaufenden Wachganges. Die ersten Glocken sind aus 1371, das heißt, sie hingen bereits in dem Turm, der anfangs nur zwei Stockwerke hoch war, und sie gehören zu den ältesten Glocken von Hessen, da nachweislich nur die Lullusglocke und Glocken des Fritzlarer Domes älter sind.

Seine ursprüngliche Dachspitze verlor unser Kirchturm nach dem Blitzeinschlag 1760 und erhielt damals ein Notdach, dass ihn noch heute zu einem unverwechselbaren, einzigartigen Turm macht.

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