IG BAU Nordhessen warnt vor zunehmender Altersarmut

1030 Senioren im Kreis arbeiten im Mini-Job

Hersfeld-Rotenburg. Statt den Lebensabend zu genießen, schuftet eine steigende Zahl von Senioren weiter. Die nordhessische Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) sieht das als Beleg für zunehmende Armut im Alter an. „Immer mehr ältere Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg brauchen einen Nebenjob, obwohl sie schon im Rentenalter sind“, sagt IG Bau-Bezirksvorsitzender Helmut Ruckert.

Nach Angaben der Gewerkschaft waren am Ende des ersten Quartals im vergangenen Jahr insgesamt rund 1030 Senioren im Kreis Hersfeld-Rotenburg als Mini-Jobber beschäftigt. Damit stieg die Zahl der Senioren-Jobber in den vergangenen acht Jahren um 13 Prozent. 2003 wurden die Daten erstmalig erhoben.

„Die wenigsten Senioren jobben, weil ihnen das eine willkommene Abwechslung im Rentenalltag bringt“, erklärt Ruckert. Die allermeisten müssten arbeiten, weil sie von ihrer Rente allein nicht leben könnten. Glück habe, „wer beides verbinden kann.“

Der Bezirksvorsitzende warnt: „Immer weniger Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg schaffen es, sich nach einem langen Berufsleben tatsächlich zur Ruhe zu setzen.“ Statt des wohlverdienten „Rentenabends“ drohe immer mehr Senioren der Fall in die Altersarmut. Ruckert sieht in den steigenden Zahlen der Senioren-Jobber die Forderung nach einer „armutsfesten gesetzlichen Rentenversicherung“ bestätigt.

Besonders groß ist das Risiko von Altersarmut nach Angaben der IG BAU bei Geringverdienern. „Wer sein Leben lang für einen Niedriglohn gearbeitet hat, wird auch im Alter jeden Cent zweimal umdrehen müssen“, sagt Ruckert. Das werde künftig auch jene Arbeitnehmer treffen, die heute nur mit einem geringen Stundenlohn, mit Zeitarbeit oder mit Mini-Jobs über die Runden kommen. „Wir müssen den Dumpinglöhnen, der Leiharbeit und dem Wildwuchs bei befristeten Jobs den Garaus machen“, fordert Ruckert. (ach) ZUM TAGE

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